Kalibrieren im NLP: So wirst du zum Menschenflüsterer

mensch mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken

Stell dir vor, du sitzt in einem Bewerbungsgespräch. Die Personalerin stellt dir Fragen, und während du antwortest, beobachtest du ihre Reaktionen genau. Du bemerkst, wie sie bei bestimmten Themen die Augen weitet und bei anderen leicht die Stirn runzelt. Durch dein Kalibrieren im Sinne des NLP, also die sinnlich-konkrete Wahrnehmung auf die Veränderung in ihrem Selbstausdruck (vgl. ​Dilts & DeLozier, 2000), bekommst du Hinweise darauf, welche Aspekte deiner Antworten gut ankommen und welche weniger. So kannst du deine Strategie anpassen und deine Chancen auf den Job erhöhen.

Oder stell dir vor, du bist auf einer Reise in ein fremdes Land und verstehst die Sprache nicht. Doch du kannst durch die genaue Wahrnehmung der Körpersprache und des Tonfalls deines Gegenübers viele Hinweise darauf bekommen, wie es ihm gerade geht. Du beginnst, die subtilen körpersprachlichen Signale zu entschlüsseln. So erhältst du mehr Hinweise auf die Gefühle und Gedanken deines Gegenübers, als seine Worte alleine dir je vermitteln könnten.

Kalibrieren im NLP bezeichnet also das sinnlich-konkrete Wahrnehmen des wahrnehmbaren Selbstausdrucks einer Person. Es bedeutet, deine Aufmerksamkeit bewusst auf das zu richten, was du sehen, hören, fühlen oder riechen kannst. 

Grundlage des Kalibrierens ­im NLP – Wahrnehmung als Schlüssel für Einfühlung und erfolgreiche Kommunikation

Im NLP gehen wir davon aus, dass innere Zustände wie Freude, Angst, Neugierde mit bestimmten Physiologien einhergehen ​(Lapp, 2023). Einige dieser Reaktionen sind genetisch verankert und bei allen Menschen ähnlich. Dies ermöglicht es uns, auch Menschen, die wir nicht kennen, bis zu einem gewissen Grad einzuschätzen. So äußert sich Angst auf der ganzen Welt am eingezogenen Kopf, an hochgezogenen Augenbrauen, weit aufgerissenen Augen und geweiteten Pupillen.

Darüber hinaus jedoch variieren die physiologischen Reaktionen von Person zu Person. So drücken manche Menschen Angst außerdem aus, indem ihre Pupillen schnell von rechts nach links wandern, während sie bei anderen einfrieren. Manche Menschen beginnen sogar zu kichern, während andere verstummen.

Deshalb verstehen wir im NLP körpersprachliche Ausdrucksweisen weniger als universelle Sprache, sondern vielmehr als individuellen Zugang zum inneren Erleben unseres Gegenübers – zu seinem ganz persönlichen Modell der Welt (Lapp, 2023). Ob jemand überrascht oder ängstlich ist, erkennen wir deutlich zuverlässiger, wenn wir uns von erlernten Definitionen, „was normal ist“ lösen und uns genau auf die nonverbalen Signale einer Person in einem bestimmten Zustand einstellen. 

Das Zusammenspiel von Kalibrieren im NLP und Interpretieren – ein Beispiel

Der Fokus liegt also beim Kalibrieren vor allem auf Veränderungen des körpersprachlichen Selbstausdrucks, um daraus im nächsten Schritt Rückschlüsse auf Veränderungen im Inneren eines Menschen ziehen zu können (Lapp, 2023).​ Stell dir vor, du bist im Gespräch mit dieser jungen Frau und du siehst zunächst ihren ersten Gesichtsausdruck (siehe Abbildung 1): Hochgezogene Mundwinkel, entspannte Stirnregion. Nun kannst du eine Vermutung anstellen, wie sie zu deinem gerade geäußerten Vorschlag steht – vielleicht wohlwollend offen.

Mensch mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken

Doch während du deinen Vorschlag weiter ausführst und dich gut auf sie kalibrierst (also genau hinschaust und nicht aufs Handy starrst), bemerkst du, wie ihr bisheriger Gesichtsausdruck plötzlich von Ausdruck 2 abgelöst wird: nach unten gezogenen Mundwinkeln und zusammengezogenen Augenbrauen.

Diese Wahrnehmung lässt dich vermuten, dass du gerade ihre Zustimmung verloren hast. Schnell justierst du nach und lenkst deinen Vorschlag in eine andere Richtung. Gesichtsausdruck 3 erscheint: Geöffneter Mund und geweitete Augen. Das könntest du als Überraschung interpretieren und potenzielles Interesse. So führst du deinen Vorschlag weiter aus und es erscheint Gesichtsausdruck 4: nach rechts oben gerichtete Augen und ein Auf-die-Lippen-beißen. Du könntest vermuten, dass sie erneut begonnen hat zu überlegen, ob sie deinem (angepassten) Vorschlag zustimmen soll. So konntest du durch dein sorgfältiges Kalibrieren eine Absage vermeiden und einen Erfolg verbuchen.

In der Realität sind die Veränderungen natürlich oft subtiler, aber das Prinzip das gleiche.

Und der ungeübte Beobachter wird sich fragen: Wie hat sie das bloß geschafft? Sie ist ja eine wahre Menschenflüsterin. (Nicht anders gehen übrigens die bekannten Mentalisten vor. Eigentlich sind sie „nur“ wahre Meister in der Kunst des Kalibrierens – so wie du bald auch 😊.)

In welchen Bereichen kannst du das Zusammenspiel aus Kalibrieren und Interpretieren besonders gut nutzen?

Im Folgenden findest du 5 Bereiche, in denen du Kalibrieren besonders gewinnbringend einsetzen kannst:

  1. Allgemeine Verbesserung der Kommunikation

Kalibrieren hilft, die nonverbalen Signale unseres Gegenübers zu erkennen und zu interpretieren, was zu einer effektiveren und klareren Kommunikation führt. Durch das Beobachten von Mimik, Gestik und Tonfall können wir Missverständnisse vermeiden und sicherstellen, dass unsere Botschaften wirklich ankommen. Das funktioniert beim Pizzaboten genauso gut wie bei der Vorstandsvorsitzenden. Mach‘ sorgfältiges Kalibrieren zur Grundlage jeder Kommunikation und genieße den Quantensprung in deinen Gesprächen.

  1. Aufbau tieferer Beziehungen

Durch Kalibrieren im Sinne des NLP können wir bessere Vermutungen über die wahren Gefühle und Bedürfnisse unserer Mitmenschen anstellen. Dies ermöglicht uns, empathischer zu reagieren und tiefere, authentischere Beziehungen aufzubauen, sei es im beruflichen oder privaten Umfeld. Erst, wenn du mitbekommst, dass sich hinter dem vermeintlichen Unwillen deines Mitarbeiters eigentlich eine tiefe Angst zu versagen verbirgt, kannst du darin unterstützen, diese zu überwinden. Dein Mitarbeiter und deine Teamergebnisse werden es dir danken.

  1. Erfolgreichere Verhandlungen

In Verhandlungen hilft uns Kalibrieren, die versteckten Signale und Absichten unseres Gegenübers zu erkennen. Indem wir seine subtilen körpersprachlichen Hinweise auf Zustimmung und Ablehnung wahrnehmen, können wir unsere Angebotsstrategie anpassen und Verhandlungsergebnisse zu unserem Vorteil beeinflussen.

  1. Verbesserung der Führungskompetenzen

Als Führungskraft ermöglicht dir Kalibrieren, die Stimmungen und Motivationen deiner Teammitglieder besser zu erkennen. So kannst du gezielter auf ihre Bedürfnisse eingehen, Konflikte frühzeitig erkennen und ein unterstützendes Arbeitsumfeld aufbauen.

  1. Persönliche Entwicklung und Selbstwahrnehmung

Kalibrieren hilft uns nicht nur, andere besser zu verstehen, sondern auch uns selbst. Durch die bewusste Wahrnehmung unserer eigenen Reaktionen und nonverbalen Signale können wir unsere Selbstwahrnehmung schärfen und persönliches Wachstum fördern.

Allgemein liefert dir Kalibrieren im NLP also wertvolle Hinweise 

  • auf Vorlieben und inhaltliche Positionen deines Gegenübers,
  • auf die Grenzen deines Gegenübers,
  • ob die Interaktion mit deinem Gegenüber läuft oder nicht.

Worauf genau kannst du dich bei deinem Gegenüber kalibrieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dich sinnlich-konkret auf dein Gegenüber zu kalibrieren ​(Lapp, 2023):

  1. Die visuelle Wahrnehmung: Du kannst dich auf alles kalibrieren, was du sehen kannst. Schau also auf Veränderungen in der Gestik, Mimik oder Körperhaltung. Was macht jemand beispielsweise mit seinen Mundwinkeln? Seinen Händen und Füßen? Wie raumgreifend sind seine Gesten? Wie aufrecht ist seine Körperhaltung und wie die Neigung seines Kopfes?
  2. Die auditive Wahrnehmung:Höre auf Aspekte wie Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, Tonhöhe und Sprachmelodie. Wann wird eine Stimme lauter? Wann erhöht sich die Sprachgeschwindigkeit? Wann wechselt der Druck in der Stimme deines Gegenübers? All dies liefert dir wichtige Hinweise auf eine Veränderung im Zustand deines Gesprächspartners.
  3. Die kinästhetische Wahrnehmung:Hier kannst du dich nicht nur auf die Qualität von Berührungen kalibrieren, beispielsweise vom zaghaften Händedruck bis zum wuchtigen Beinahe-Zerquetschen deiner Hand, sondern auch auf deine eigenen Körperempfindungen in der Interaktion mit deinem Gegenüber. Wann schnürt es dir den Hals zusammen? Wann krampft dein Magen? Wir NLPer gehen davon aus, dass das, was in einem Menschen vorgeht, auch mit den inneren Vorgängen seines Gegenübers zu tun hat, weil wir Menschen über Spiegelneuronen verfügen, die das Erleben des anderen in uns spiegeln  (mehr dazu im Artikel „Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation“).
  4. Die olfaktorische Wahrnehmung: Manchmal liefert uns auch unser Geruchssinn wertvolle Anhaltspunkte. Ein bekanntes Beispiel ist der „Angstschweiß“, den man oft riechen kann. Auch der Geruch von Alkohol oder Zigarettenrauch kann Hinweise auf die inneren Zustände und das Verhalten unserer Mitmenschen geben.
  5. Die gustatorische Wahrnehmung: Der Vollständigkeit halber sei hier noch unser Geschmackssinn erwähnt. Diesen nutzen wir im Alltag jedoch nicht, um uns auf unser Gegenüber zu kalibrieren (außer natürlich beim Sex ).

Übung zum visuellen Kalibrieren auf Erfreuliches bzw. Unerfreuliches – schärfe deine Sinne

Um ein echter Experte im Kalibrieren im NLP zu werden, ist es notwendig, das sinnliche-konkrete (sensorisch-definite) Wahrnehmen zu üben und zu schärfen. So übst du, nicht auf deine Vorurteile zu vertrauen, sondern das wahrzunehmen, was wirklich da ist. Die folgende Übung hilft dir zukünftig, die Präferenzen deines Gegenübers deutlicher wahrzunehmen.

Frage ein Familienmitglied oder Bekannten, ob er Lust hat mitzumachen, und legt los:  

  1. Bitte dein Gegenüber an eine erfreuliche Tätigkeit zu denken. Fordere ihn auf, sich alles vorzustellen, was er in dieser Situation sieht, hört und fühlt. Er soll nicken, wenn er voll und ganz im Erleben ist. Beobachte dabei ganz genau seine Körpersprache – Mimik, Gestik und Haltung. 
  2. Bitte dann dein Gegenüber, nun an eine unerfreuliche Tätigkeit zu denken. Fordere ihn wieder auf, sich alles vorzustellen, was er in dieser Situation sieht, hört und fühlt. Er soll nicken, wenn er voll und ganz im Erleben ist. Beobachte auch hier genau seine Physiologien. Achte hierbei besonders auf die Unterschiede zur ersten Situation.
  3. Wiederhole 1. und 2. so oft, bis du glaubst die Unterscheide in seiner Physiologie zu erkennen, wenn er an die erfreuliche bzw. unerfreuliche Tätigkeit denkt. Beginne dann, Fragen in Bezug auf diese Tätigkeiten zu stellen, zum Beispiel: Bist du allein bei dieser Tätigkeit?
  • Hast du sie heute schon ausgeübt?
  • Welche hast du sie das letzte Mal getan?
  • Machst du diese Tätigkeit im Freien?

Während deiner Fragen denkt dein Gegenüber willkürlich an eine der beiden Tätigkeiten (sage ihm, dass das keine Übung in Pokerface ist. Er soll so natürlich wie möglich sein).

  1. Kalibriere dich auf seinen körpersprachlichen Ausdruck und entscheide aufgrund der Erkenntnisse, die du in Schritt 1 und 2 gesammelt hast, ob er an die erfreuliche oder unerfreuliche Tätigkeit denkt.

Du wirst überrascht sein, wie sicher du mit ein wenig Übung die Tätigkeit erkennen kannst, über die dein Gesprächspartner gerade nachsinnt. (Weitere super-effektive Übungen, die dir helfen, ein wahrer Menschenflüsterer zu werden, findest du im „Großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach“) 

Fazit: Kalibrieren im NLP ist die feinfühlige Kunst, das Unausgesprochene wahrzunehmen

Du siehst: Kalibrieren nicht nur ein Konzept, sondern eine praktische Fähigkeit, die es dir ermöglicht, dich genau auf dein Gegenüber abzustimmen. Es ist die Kunst, kleinste nonverbale Reaktionen wahrzunehmen. Nur so kannst du ahnen (niemals wissen!), wie es in der Welt deines Gegenübers gerade wirklich aussieht.  Es ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen professionellen Interaktion mit deinen Mitmenschen.  Probiere es in den nächsten Tagen einmal selbst aus. Du wirst dich wundern, wie viel besser du deine Mitmenschen von jetzt an verstehen wirst.  

Du willst noch mehr darüber erfahren, wie du dich genau auf dein Gegenüber einstellen kannst und von nun an professionell und gekonnt kommunizierst? Dann ist die Ausbildung zum NLP-Practitioner & Coach für dich genau das Richtige! Hier erfährst du mehr. 

Literaturverzeichnis

Bandler, R. G. (2007). Therapie in Trance (Konzepte der Humanwissenschaften). ‎ Klett-Cotta. 

Dilts, R., & DeLozier, J. (2000). Encyclopedia of systemic neuro-linguistic programming and NLP new coding. Scotts Valley, Calif.: NLP University Press. 

Lapp, D. S. (2024). Das große Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach. WildWechsel Verlag.

Rapport – so stimmt die Chemie in deinen Beziehungen

Rapport – wenn die Chemie stimmt I

Hast du dich schon einmal bei einem Meeting umgeschaut und bemerkt, dass die Teilnehmer ihre Körpersprache erstaunlich schnell aufeinander einschwingen? Ich beobachte das jedes Wochenende in meinen Ausbildungsgruppen. Da hat beispielsweise die ganze linke Reihe das rechte Bein überschlagen, während gleichzeitig 5 andere den linken Arm aufgestützt haben. Woran das liegt? Am Rapport. Für mich ein Zeichen, dass die Chemie in der Gruppe stimmt.

Was ist Rapport? – Die Brücke zu tieferen und bedeutungsvolleren Beziehungen

Rapport ist im NLP definiert als eine Beziehung zwischen Menschen, die auf gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Vertrauen beruht. Es ist die Kunst, eine authentische Verbindung zu anderen herzustellen. Ein Gefühl von Verbindung und Harmonie, das wir oft mit Redewendungen wie „Wir haben die gleiche Wellenlänge“ oder „Die Chemie stimmt“ beschreiben. Rapport bezeichnet im NLP einen Zustand, in dem wir uns gegenseitig verstehen, uns wohl fühlen und Vertrauen zueinander aufbauen.  Kurz: die Voraussetzung dafür, dass das Miteinander reibungslos und effektiv läuft.

Die Kunst des Spiegelns – oder wie man Rapport aufbaut

Um Rapport aufzubauen, hilft es, wenn du deine Körpersprache der deines Gegenübers anpasst – also sein Ausdrucksverhalten spiegelst, wie wir im NLP sagen. Das geschieht oft unbewusst. So kannst du in einem Café beobachten, wie zwei ins Gespräch vertiefte Freundinnen sich intensiv spiegeln. Die eine greift zum Wasserglas – die andere ebenfalls. Die eine lächelt – die andere auch. Dadurch vermitteln sie sich nicht nur gegenseitige Wertschätzung (schau, ich bin wie du und das ist okay), sondern tauchen ein in das Modell der Welt der jeweils Anderen. Denn die Spiegelneuronen in ihren Hirnen vermitteln ihnen so Informationen darüber, wie sich die Andere fühlt und was sie gerade braucht. Sie schwingen sich im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander ein. Emotionale Nähe entsteht.

Dieses Einschwingen geht wesentlich weiter als man denkt. So konnte bei Orchestern gezeigt werden, dass die synchronisierte Aktivität nicht nur zu musikalischer Harmonie, sondern auch zu einer physiologischen Synchronisation führt. Bei den Musikerinnen gleichen sich Herzschlag, Blutdruck und Pulsfrequenz unbewusst an. Es entsteht ein hohes Maß an Rapport.

In meinem Artikel „Spiegeln – deine Grundlage für gelingende Kommunikation“ erfährst du bewährte Techniken und Strategien, um dein Gegenüber wirkungsvoll zu spiegeln. Und in meinem großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach findest du genaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie du Spiegeln in unterschiedlichen Situationen üben kannst.

Du wirst feststellen: Bewusst Rapport aufbauen zu können, ist ein echter Gamechanger für deine private und berufliche Kommunikation.

Spiegeln mit Fingerspitzengefühl – Die Feinheiten verschiedener Rapportintensitäten

Unterschiedliche Menschen bevorzugen unterschiedliche Intensitäten von Rapport. Während es für einige Menschen gar nicht intensiv und nah genug sein kann, ist es für andere schnell zu viel.

Für manche Menschen ist intensives Spiegeln eine Wohltat. Bei solchen Individuen kannst du in die Vollen gehen: Spiegle ihre Gesten, Körperhaltung, Tonlagen und sogar ihre Sprachmuster – alles, was möglich ist. Du wirst feststellen, wie angenehm und unterstützend diese Art der Interaktion für sie ist.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, denen die Nähe durch umfassendes Spiegeln zu viel ist. Für sie ist ein sanfterer Rapport hilfreich. Wähle dann nur einen Aspekt ihres körpersprachlichen Selbstausdrucks (beispielsweise die Fusshaltung) und spiegele diesen.

In der Praxis bedeutet dies, dass es wichtig ist, sich sorgfältig auf die Signale deines Gegenübers einzustellen. Wenn du beginnst, ihn zu spiegeln und er blüht auf, intensiviere das Spiegeln. Wenn er sich dagegen körpersprachlich zurückzieht, dann reduziere die Intensität.

So lernst du, die Intensität deines Spiegelns zu intensivieren (und der Aufbau von Rapport mit den unterschiedlichsten Menschen fällt dir immer leichter)

Möchtest du die Auswirkungen unterschiedlich intensiven Spiegelns selbst erfahren? Dann übe es in unterschiedlichen Gesprächssituationen. Das nächste Mal, wenn du in der kommenden Woche in einem Gespräch bist, probiere einmal, den Selbstausdruck deines Gegenübers unterschiedlich intensiv zu spiegeln:

  1. Beginne damit, zunächst nur einen Aspekt zu spiegeln, wie zum Beispiel seine Körperhaltung.
  2. Steigere dann allmählich die Intensität, indem du auch deine Tonlage und dein Sprechtempo an ihn angleichst
  3. Schließlich beginne auch, seine Gestik und Mimik zu spiegeln. Lächle, wenn er lächelt. Greife zur Tasse, wenn er es tut. Und zucke mit den Schultern, wenn er es tut.
  4. Achte dabei auf seine Reaktion. Wann fühlt er sich deutlich wohler und ist voll im Rapport mit dir? Wann wird es zu viel, und du spürst, wie der Rapport bröckelt? Dann reduziere den Umfang deines Spiegelns, bis der Rapport wieder fest und stabil ist.

Durch diese Übung wirst du ein Gespür dafür entwickeln, wie viel Spiegeln und Rapport dein jeweiliger Gesprächspartner als angenehm erlebt. Denn: Jeder lebt in seinem Modell der Welt und hat seine eigene Vorstellung davon, wie viel Rapport angemessen ist. Deswegen ist es wichtig, sich auf jeden und jede Einzelne individuell einzustellen.

(Diese und viele andere N LP-Formate, um den Aufbau von Rapport zu üben, findest du ebenfalls in meinem „Großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach“)

Was Rapport nicht ist

Rapport ist keine Manipulation oder Täuschung. Es geht nicht darum, jemanden zu überlisten oder zu kontrollieren. Rapport basiert auf Echtheit, Respekt und gegenseitigem Verständnis. Ein Politiker, der versucht, Rapport mit Wählern aufzubauen, indem er ein Eingehen auf ihre Bedürfnisse vortäuscht, wird langfristig das Vertrauen der Wähler verlieren.

Zudem ist Rapport nicht mit Freundschaft gleichzusetzen. Wenn zum Beispiel jemand dein Auto angefahren hat, hilft dir der Aufbau von Rapport zu dem Fahrer des anderen Wagens, die Situation schnell und konstruktiv zu lösen. Dasselbe gilt, wenn sich ein Kunde beschwert. Indem du zunächst Rapport zum Beschwerdesteller aufbaust, schaffst du die Voraussetzung, um danach eine konstruktive Lösung zu finden, die deinen Kunden zufriedenstellt und für dich auch in Ordnung ist.

Der Mismatch – gezielter Rapportabbruch

Kennst du das? Du sitzt im Zug, hast deine Lieblingsplaylist und zwei Hörbücher runtergeladen und freust dich auf eine entspannte Zugfahrt. Da setzt sich dir ein Fremder gegenüber und will unbedingt ein Gespräch beginnen. In solchen Momenten ist es äußerst hilfreich, die Technik des Missmatches zu kennen. Ein Mittel, um die Kommunikation gezielt zu unterbrechen oder zu beenden.

Bei Paaren lässt sich ein Missmatch der Körpersprache häufig beobachten, wenn die Zeichen auf Sturm stehen. Hier ein prominentes Beispiel (siehe Foto):

Charles und Diana im Mismatch

(Quelle: News AT)

Ein Missmatch im NLP bedeutet, bewusst auf das Spiegeln zu verzichten. Statt also dein Gegenüber in Körperhaltung und Lautstärke zu spiegeln, wählst du bewusst eine vollkommen Körperhaltung. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Gespräch so schnell beendet wird.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein Missmatch (zumindest vorübergehend) die Beziehung zu deinem Gegenüber belastet. Wenn du bereit bist, diese Irritation bewusst in Kauf zu nehmen, kann der richtige Moment für einen Missmatch gekommen sein.

Fazit: Rapport ist die Voraussetzung für reibungslose Kommunikation

Achte zukünftig einmal bewusst darauf, wie oft Menschen in verschiedenen Situationen in Rapport treten: sei es während einer Zugfahrt, im Umgang mit ihren Liebsten oder während des Teammeeting mit Kollegen. Du wirst feststellen, dass Rapport ein ständiger Begleiter ist – mal subtiler, mal intensiver, aber stets automatisch und meist unbewusst.

Rapport ist das Fundament erfolgreicher Kommunikation und zwischenmenschlicher Beziehungen. Indem du die Prinzipien und Techniken des Rapports verstehst und anwendest, kannst du deine Fähigkeiten verbessern, mit anderen zu interagieren, Konflikte zu lösen und gemeinsame Ziele zu erreichen.

Du willst die Fähigkeit, Rapport aufzubauen und souverän zu kommunizieren, gezielt erlernen und wünschst dir dabei Unterstützung? Dann ist die Ausbildung zum NLP-Practitioner & Coach für dich vielleicht genau das richtige. Hier erfährst du mehr.

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Leading – so übernimmst du in Minutenschnelle die Führung

Dein Kollege schafft es innerhalb von Minuten, den eben noch muffeligen Kunden zum Strahlen zu bringen und du fragst dich: Wie schafft er das? Ganz einfach: Er kennt das Geheimnis von Spiegeln und Leading. Er beginnt zunächst mit Spiegeln (Englisch: Pacing) , d.h. er übernimmt den körpersprachlichen Ausdruck seines Kunden. Er zieht also vielleicht die Mundwinkel genauso nach unten wie er und lässt die Schultern genauso hängen. (Mehr zu Pacing findest du in meinem Blogartikel hier). So signalisiert er ihm: Guck mal, ich bin wie du – und du bist okay.

So baut er Rapport auf. Der Kunde gewinnt den Eindruck, dass die Chemie zwischen den Beiden stimmt. Sobald der Rapport steht, beginnt dein Kollege, seine körpersprachlichen Ausdruck hin zu einem besseren Zustand zu verändern. Er fängt also vielleicht an zu lächeln und sich aufrechter hinzusetzen. Im NLP sagen wir: Er geht ins Lead. Nach dem Pacing ist er ins Leading übergegangen. Wenn jetzt auch ein Lächeln im Gesicht seines Kunden erscheint, hat das Zusammenspiel von Spiegeln und Leading funktioniert. Dein Kollege hat seinen Kunden darin unterstützt, sich besser zu fühlen.

Wichtig: Die Voraussetzungen, damit Pacing und Leading funktionieren, sind echtes Interesse, Respekt und Wertschätzung. Werden die Techniken nur eingesetzt, um Eskimos Kühlschränke zu verkaufen, wird der Versuch scheitern (und unethisch wäre es auch noch).

Die unsichtbare Kraft hinter erfolgreicher Kommunikation

Also nochmal zusammengefasst: Leading, zu Deutsch „Führen“, bezeichnet die Fähigkeit, auf der Basis von Rapport durch eine Veränderung deines körpersprachlichen Ausdrucks dein Gegenüber darin zu unterstützen, sich besser zu fühlen.

Um effektiv zu führen, ist es hilfreich, sowohl die Körpersprache als auch inhaltliche Aspekte – also Worte – zu spiegeln. So gelingt es, ausreichenden Rapport aufzubauen, um anschließend ins Lead zu gehen.

Nonverbales Leading – die Sprache des Körpers

Wusstest du, dass über 90% unserer Kommunikation nonverbal ist? Ob du gebückt, mit verschränkten Armen in einer Gehaltsverhandlung sitzt oder aufrecht, offen und selbstbewusst, beeinflusst den Verlauf dieses Gesprächs enorm. Genau deshalb ist es so wichtig, deine Körpersprache bewusst einzusetzen.

Beim nonverbalen Leading geht es darum, durch Gesten, Mimik und Körperhaltung eine positive Atmosphäre zu schaffen. So kannst du dein Gegenüber darin unterstützen, in einen besseren mentalen Zustand zu kommen, ohne ein einziges Wort zu sagen.

Inhaltliches Leading – die Macht der Worte

Worte haben Macht. Beim inhaltlichen Leading geht es darum, die richtigen Worte zur richtigen Zeit einzusetzen. Wenn dein Gegenüber also sagt: „Das Projekt läuft schlecht“, kannst du ihn zunächst inhaltlich spiegeln, indem du sagst: „Du meinst – das Projekt läuft schlecht.“ so baust du Rapport auf und erhöhst die Bereitschaft des Anderen, dir zuzuhören.

Dann kannst du inhaltlich ins Leading zu gehen, indem du vielleicht fortfährst „Und deswegen wollte ich dir drei Schritte vorstellen, wie wir das Projekt jetzt beschleunigen können“.

Nutze die Macht der Sprache, um positive Veränderungen herbeizuführen.

Wozu du Leading in deinem Privatleben gebrauchen kannst

Leading kannst du nicht nur einsetzen, um deinen Kunden zum Lächeln zu bringen, sondern auch,

  • um dein Kind zu beruhigen, indem du mit einer ruhigen Stimme und einer zugewandten Körperhaltung Sicherheit vermittelst.
  • um deine Partnerin nach einem anstrengenden Tag im Büro dabei zu unterstützen, in die Entspannung zu kommen, indem du zunächst ihre Anstrengung spiegelst und dann ins Lead gehst und sie so in der Entspannung unterstützt.
  • deine aufgebrachten Nachbarn zu einem friedlichen Gespräch zu bewegen. Auch hier spiegelst du zunächst seine Aufregung über die vermeintlich falsch abgestellte Mülltonne und gehst dann ins Leading, indem deine Stimme ruhiger und deine Körperhaltung offener wird.

Wozu du Leading im Berufsleben nutzen kannst

Im Beruf ist die Leading eine echte Geheimwaffe, um

  • dein Team zu motivieren: Indem du zunächst ihre Bedenken spiegelst, baust du zunächst Rapport auf. Dann gehst du ins Leading über und beginnst, Zuversicht und neue Ideen zu vermitteln. Plötzlich wirst du einen ganz neuen Teamspirit erleben.
  • Verhandlungssituationen geschickt zu führen: Mit Leading kannst du die Stimmung und Dynamik des Gesprächs lenken. Nach dem Aufbau von Rapport gehst du ins Leading. Du zeigst dich offen für konstruktive Lösungen und kannst so die Kompromissbereitschaft erhöhen.
  • bei Präsentationen dein Publikum zu fesseln und zu überzeugen. Spiegel zunächst die Einwände, die deinen Zuhörern durch den Kopf gehen und geh‘ dann ins Lead, um diese Einwände zu entkräften.

Wozu du Leading in deiner Coaching-Praxis einsetzen kannst

Auch im Coaching ist gekonntes Leading unumgänglich, um eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der der Coachee sich sicher fühlt. Beginne zunächst wieder mit sorgfältigem Spiegeln. Werde dann langsam ruhiger und offener. Beobachte sorgfältig, ob dein Klient diese körpersprachlichen angebote übernimmt. Wenn ja, hast du die perfekte Grundlage für eine gelingende Transformation geschaffen. Denn erst jetzt hat dein Klient das Gefühl, seine Gedanken und Gefühle teilen zu können.

Der Prozess kann in vier einfache Schritte unterteilt werden

Wo auch immer du die Leading anwenden möchtest, das vorgehen kann in die 4 folgenden Schritte unterteilt werden:

  1. KalibrierenAuf dein Gegenüber einschwingen

Achte auf dein Gegenüber: Welche Körperhaltung nimmt er ein? Welchen Tonfall und welche Lautstärke verwendet er beim Sprechen? Atmet er schneller als gewöhnlich? Sind seine Gesten ausgeprägt? Nehmen wir das Beispiel: Dein Partner spricht schnell und laut. Er verschränkt die Arme vor der Brust.

  1. Spiegeln/Pacing – Den Selbstausdruck von deinem Gegenüber aufnehmen 

Passe dann zunächst dein eigenes Ausdrucksverhalten an das deines Partners an. Verwende also eine ähnliche Tonlage, sprich etwas schneller und verschränke ebenfalls deine Arme – genau wie er. So signalisierst du ihm: Schau, wir sind uns ähnlich. So baust du also Rapport auf – die Basis jeder gelingenden Kommunikation.

  1. Leading – Führe deinen Gesprächspartner in einen besseren Zustand

Sobald du das Gefühl hast, das ausreichend Rapport besteht, kannst du zum Leading übergehen. Dazu veränderst du Schritt für Schritt deinen eigenen Selbstausdruck hin zu dem gewünschten Zustand, in den du deinen Partner führen möchtest. In unserem Beispiel: Verringere deine Sprechgeschwindigkeit, senke deine Stimme und öffne deine Arme.

  1. Testing – Überprüfe, ob der Selbstausdruck deines Gegenübers sich verändert

Beobachte aufmerksam, ob dein Partner dir körpersprachlich folgt. Ob er also ruhiger spricht und seine Stimme senkt, und ob sich seine Körperhaltung wie deine verändert hat. Sollte dies nicht der Fall sein, kehre zu Schritt 2 zurück und wiederhole den Prozess so lange, bis dein Partner dir folgt.

Leading als Schlüssel zum persönlichen Erfolg

Probiere es aus. Am Anfang ist es vielleicht ungewohnt, doch schnell wirst du feststellen, dass Leading eine wertvolle Fähigkeit ist, die es uns ermöglicht, andere Menschen positiv zu beeinflussen und sie in bessere Zustände zu führen.

Durch die bewusste Nutzung von nonverbalem und inhaltlichem Leading können wir Vertrauen aufbauen, Motivation fördern und positive Veränderungen bewirken. Indem wir diese Techniken in verschiedenen Bereichen unseres Lebens anwenden, können wir nicht nur die Regie in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen übernehmen, sondern auch unser eigenes Potenzial voll ausschöpfen.

Du willst mehr über die Geheimnisse souveräner Kommunikation wissen? Dann ist mein großes Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach für dich genau das richtige. Viel Spaß bei der Lektüre!

 

Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

Pärchen beim Flirten – Spiegeln in Aktion

Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

Stell dir ein vollbesetztes Café vor. Es ist wirklich laut und du kannst nicht hören, was drei Tische weiter besprochen wird. Woran erkennst du, ob das Pärchen dort flirtet oder streitet. Die Antwort ist so einfach wie verblüffend – am Ausmaß ihres gegenseitigen Spiegelns. Je intensiver sie sich spiegeln, umso besser läuft die Beziehung. Eine Regel, die nicht nur für Paar-, sondern für alle Beziehungen gilt. Deswegen: Spiegeln (Pacing) bildet deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation. Je besser es dir zukünftig gelingt, dein Gegenüber zu spiegeln, umso angenehmer werden deine Gespräche laufen.

Was meinen wir mit Spiegeln (engl.: Pacing)?

Spiegeln meint, dem Ausdrucksverhalten des Gesprächspartners mit dem eigenen Ausdrucksverhalten zu begegnen.

Was bedeutet das konkret? Schau dir das Foto oben an. Die Frau hat beide Arme auf dem Tisch aufgestützt. Der Mann hat beide Arme auf dem Tisch aufgestützt. Sie hält die Tasse mit beiden Händen. Er hält die Tasse mit beiden Händen. Sie schaut leicht von unten. Er schaut leicht von unten. Sie lächelt. Er lächelt. Sie spiegelt (oder: paced) also ihn und umgekehrt. Man kann es nicht übersehen: Die beiden flirten. Ein Beispiel für gelingende Kommunikation.

Schau dir dagegen dieses Foto an:

Paar beim Streiten – kein Spiegeln

Sie hat die Beine zusammen, er sitzt breitbeinig da. Sie schaut auf den Fussboden, er schaut sie an. Ihre rechte Hand ist leicht geöffnet; seine zur Faust geschlossen. Ihre linke Hand ist offen und erhoben; seine auf sie gerichtet.  Die beiden spiegeln sich nicht. Es ist offensichtlich: Sie streiten. So kann Kommunikation nicht gelingen.

Was bewirkt Spiegeln / Pacing? Wofür ist es gut?

Spiegeln hat tatsächlich zwei wundersame Effekte:

  • Es bewirkt, dass wir unserem Gesprächspartner auf einer Meta-Ebene signalisieren „Schau, ich bin wie du und das ist prima.“ Wir schaffen also eine verbindende Gesprächsgrundlage. Es entsteht ein Gefühl von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.
  • Zum anderen vermittelt das Spiegeln dem, der spiegelt, ein Gefühl dafür, wie es seinem Gesprächspartner in diesem Moment gerade geht (natürlich sollst du nicht ewig in dieser Körperhaltung verharren, sondern dann ins Leading gehen und ihn so unterstützen, in einen besseren Zustand zu kommen. Wie das geht, erfährst du in dem Artikel „Leading – so bringe ich mein Gegenüber in einen besseren Zustand“.)

Spiegeln bewirkt also nicht nur ein Verständnis für, sondern auch ein Zugang zu den Gefühlen des Anderen.

Nonverbales Spiegeln – den körpersprachlichen Selbstausdruck deines Gegenübers aufnehmen

Wie schon im Beispiel oben erwähnt, können wir den körpersprachlichen Ausdruck unseres Gegenübers spiegeln. Dazu zählen:

  • Die Körperhaltung
  • Die Kopfhaltung
  • Die Gestik
  • Die Mimik
  • Der Lidschlag
  • Der Atemrhythmus

Wenn zum Beispiel eine Person eine wichtige Aussage immer mit einer bestimmten Handbewegung unterstreicht und sich zum Beispiel mit der Faust in die flache Hand schlägt, kann es sinnvoll sein, deine eigenen wichtigen Aussagen dieser Person gegenüber mit der gleichen Geste zu verbinden, um mehr Verständnis zu erhalten. Eine weiter Möglichkeit ist es, deine Atmung an die Atmung deines Gesprächspartners anzupassen.

Den auditiven Selbstausdruck deines Gegenübers spiegeln – sprich wie er

Auditiv können wir folgende Aspekte des Selbstausdrucks unseres Gegenübers spiegeln:

  • Seine Sprechlautstärke
  • Seine Sprechgeschwindigkeit
  • Seine Tonalität
  • Seine Sprachrhythmus

Wenn dein Gegenüber also sehr leise spricht, senke deine Lautstärke ruhig ebenfalls etwas ab. Wenn er sehr langsam spricht, reduziere deine Sprechgeschwindigkeit und wenn er gerne komplexe Satzkonstruktionen verwendet, erhöhe gerne die Komplexität deiner Sätze. Alles vermittelt ihm die Botschaft „Du bist okay und wir sind uns ähnlich.“ Die Qualität deiner Gespräche wird es dir danken.

Inhaltliches Spiegeln – Hören, was dein Gegenüber sagt

Wir Menschen drücken uns nicht nur nonverbal aus, sondern verbal – also mit Worten – aus. Und diese können auch wir spiegeln. Manche Menschen benutzen bestimmte Wörter sehr häufig. Außerdem kann es sinnvoll sein, konkrete Aussagen zu spiegeln, indem du sie wortwörtlich wiederholst. Wenn dein Chef zum Beispiel sagt: „Das sieht doch schon sehr gut aus“, stärkt es eure Verbindung, wenn du bekräftigst: „Ja, das sieht wirklich gut aus“ (natürlich nur, wenn du es auch so meinst.)

Stell dir vor, du würdest für die Bestätigung stattdessen ein „Stimmt, fühlt sich gut an“ wählen. Spürst du die Irritation, die das auslöst? Diese vermeidest du durch sorgfältiges inhaltliches Spiegeln.

Warum funktioniert Spiegeln so gut?

Seit der Entdeckung der Spiegelneuronen im Jahr 1992 haben wir eine Vorstellung, wieso die Technik des Spiegelns so mächtig sein könnte für gelingende Kommunikation.

In diesem Jahr beschrieb das wissenschaftliche Team um Giacomo Rizzolatti, dass ein bestimmtes Areal im Hirn von Makaken-Affen nicht nur dann aktiviert wird, wenn sie selbst eine Erdnuss öffnen, sondern auch, wenn sie lediglich einen anderen Affen dabei beobachten. Die dafür zuständigen Neuronen nannten sie Spiegelneuronen – Neuronen also, die beim Beobachten einer Handlung unseres Gegenübers dieselben Hirnarealen aktivieren, die auch aktiviert werden, wenn diese Tätigkeit selbst ausgeübt wird.

Spiegelneuronen wurden im Jahr 2010 auch bei Menschen nachgewiesen. Es wird vermutet, dass sie ein „Als-Ob-Gefühl“ in uns produzieren und so helfen, die inneren Zustände unseres Gegenübers nachzuerleben und zu verstehen.

Weitere Möglichkeiten, dein Gegenüber zu spiegeln

Außer dem non-verbalen und dem verbalen Verhalten (angesiedelt auf der 2. Dilts-Ebene „Verhalten“) auch höhere Dilts-Ebenen deines Gegenübers spiegeln. Du kannst spiegeln

  • Seine Werte (Wenn ihm also Respekt wichtig ist und dir auch, dann betone das gerne).
  • Seine Glaubenssätze (Wenn er einen Glaubenssatz hat wie „Ohne Fleiß kein Preis“ und du diese Überzeugung teilst, unterstreiche es)
  • Seine Identität (Wenn er sich als Macher versteht und du dich auch, heb es hervor)
  • Seine Zugehörigkeit (Er versteht sich als Arbeiterkind und du dich auch? Großartig!)
  • Seine Vision und Mission (Er arbeitet für eine bessere Welt, in der jede*r zu seiner Meinung stehen kann und du auch? Sag es ihm).

Es versteht sich von selbst, dass du auf diesen Dilts-Ebenen nur Spiegeln solltest, wenn dies deinen authentischen Überzeugungen entspricht. Alles andere wäre Selbstverrat und unauthentisch. Dein Gegenüber würde dies – zumindest unbewusst – spüren und sich zurückziehen.

Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation. Aber gibt es Grenzen des Spiegelns?

Ja, die gibt es. Grundsätzlich spiegeln wir nicht:

  • Dialekt (es sei denn, wir beherrschen ihn wirklich)
  • Alle „Ticks“ unseres Gegenübers
  • Alles, womit wir uns nicht wohlfühlen (so wird sich eine Frau in einem sehr kurzen Rock oft nicht wohlfühlen, wenn sie sich breitbeinig in einem Sesseln lümmeln sollte, nur weil ihr Gegenüber dies tut).

Eine häufige Sorge: Fühlt sich der Andere nicht „nachgeäfft“?

Kurze Antwort: Nein. Die meisten Menschen sind so mit sich beschäftigt, dass sie es gar nicht bemerken, wenn sie gespiegelt werden. Und wie gesagt, es ist etwas, dass Menschen ohnehin automatisch tun, wenn sie sich miteinander wohlfühlen, so dass sie es nicht als störend empfinden.

Menschen mit NLP-Kenntnissen bemerken es ggf. durchaus, empfinden es dann aber als die Geste der Wertschätzung und des Bemühens um ein gutes Miteinander, die es ja schließlich ist,

Einfaches Spiegeln und Überkreuz-Spiegeln – Spiegeln für Fortgeschrittene

Du kannst die Körpersprache deines Gegenübers auf zwei verschiedene Arten spiegeln.

  1. Einfaches Spiegeln

Hier nimmst du zum Beispiel die gleiche Arm- oder Beinhaltung ein, wie dein Gegenüber und verschränkst vielleicht, genau wie er deine Arme.

  1. Überkreuz-Spiegeln

Hier ersetzt du Verhalten aus einem nonverbalen Kanal durch Verhalten in einem anderen non-verbalen Kanal. Wenn dein Gegenüber beispielsweise in einem bestimmten Rhythmus mit den Fingern auf den Tisch trommelt, kannst du diese Geste Überkreuz-Spiegeln, indem du den Rhythmus mit deinem wippenden Fuß aufgreifst, oder du bewegst deinen Fuß passend zum Atemrhythmus deines Gegenübers. Überkreuz-Spiegeln ist in seiner Wirkung häufig subtiler und funktioniert deswegen oft gut bei Menschen, die misstrauisch gegenüber Nähe sind.

Auch im Coaching: Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

Im Coaching-Kontext bildet Spiegeln die Grundlage für den Aufbau von Vertrauen. Durch sorgfältiges Spiegeln deines Coachees gewinnst du wichtige Eindrücke seines mentalen und emotionalen States. So kannst du leichter die passende Coaching-Intervention wählen und ihn sicher durch die Transformation führen.

Deswegen sind alle erfolgreichen Coaches wahre Meister und Meisterinnen des Spiegelns.

Du siehst: Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

Jetzt, wo du einen Überblick darüber hast, wie du dein Gegenüber erfolgreich spiegeln kannst, lade ich dich ein, dein neugewonnenes Wissen im nächsten Gespräch direkt in die Tat umzusetzen. Egal ob ein Chef, Freundin, Partner oder Kinder – mit Hilfe des Spiegelns wirst du merken, wie viel leichter die Kommunikation in den unterschiedlichsten Situationen fließen wird. Du wirst dich wundern, welche Quantensprünge du in deinen Gesprächen zukünftig erlebst. Denn: Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation.

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Merke: Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

Und auch hier gilt: Übung macht den Meister. Viel Spaß dabei! Genieße deine Erfolge.

Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation

 

Die Repräsentationssysteme im NLP: Definition, Vorteile und Einsatz in der professionellen Kommunikation

Repräsentationssysteme: Definition und Nutzen

Der Begriff „Repräsentationssysteme“ bezeichnet im NLP die Mechanismen, mit denen wir unsere äußere Welt in unserer Psyche repräsentieren. Analog zu unseren fünf Sinnen unterscheiden wir fünf Repräsentationssysteme:

  1. Das visuelle Rep-System: Unsere inneren Bilder
  2. Das auditive Rep-System: Unsere inneren Stimmen
  3. Das kinästhetische Rep-System: Unsere Körperempfindungen (grob- und feinstoffliche Energien)
  4. Das olfaktorische Rep-System: Unsere Geruchserlebnisse
  5. Das gustatorische Rep-System: Unsere Geschmackserlebnisse

Jedes Repräsentationssystem bietet bestimmte Vorteile, wenn es darum geht, unsere Umwelt zu erfassen, zu verarbeiten, zu speichern und abzurufen. Darüber erfährst du weiter unten mehr.

Abgekürzt sprechen wir auch anstelle von Repräsentationssystemen von Rep-Systemen.

Lust auf einen Selbstversuch zu deinem bevorzugten Rep-System?

Lies dir die folgende Geschichte durch und achte darauf, welche Beschreibungen für dich am intensivsten waren:

„Mein letzter Urlaub: Schon von weitem sah ich das blaue Meer am Horizont auftauchen. Ich sah, wie die weißen Bungalows des Hotels sich davor erhoben und wie sich die grünen Palmen im Wind wiegten. Im Näherkommen erkannte ich die Musiker in ihren bunten Kostümen, die zu unserer Begrüßung versammelt waren. So schön. Als ich aus dem Bus stieg, hörte ich die vertrauten Klänge und auf meinem Weg zum Strand das Kreischen der Möwe über mir und das Wogen der Wellen vor mir. Wunderbar, Schnell zog ich meine Schuhe aus und spürte auch schon den warmen Sand zwischen den Zehen. Und als dann das angenehm kühle Wasser meine Beine umspülte, war meine Welt perfekt.“

Welche Beschreibungen haben dich am meisten abgeholt? Die der visuellen Eindrücke, die auditiven oder die, die sich auf das Fühlen bezogen? Dies kann dir erste Hinweise auf dein bevorzugtes Rep-System geben.

Mit unseren Repräsentationssystemen erschaffen wir unser subjektives Erleben. Es bildet die Grundlage für unser Verhalten. (Bandler, Dilts, DeLozier, & Grinder, 1980) (Dilts & DeLozier, 2000) (Lapp, 2023). Man kann somit sagen, dass wir mit unseren Repräsentationssystemen unser individuelles, innerpsychisches Modell der Welt erzeugen.

Struktur der Repräsentationssysteme

Jedes Repräsentationssystem umfasst ein Netzwerk neuronaler Strukturen und Prozesse, die in drei unterschiedliche Phasen eingeteilt werden können:

  1. Input: Das Sammeln von Umweltinformationen und Feedback. Dabei wird unterschieden zwischen internalen (innerlich generierte Sinneseindrücke, z. B. innere Stimmen & Bilder) und externalen Informationen (Sinneseindrücken aus der Umwelt)
  2. Repräsentation/Verarbeitung: Dies umfasst die Organisation und Kategorisierung der Umwelt sowie die Entwicklung und Planung von Verhaltensstrategien, wie z.B. Lernen, Entscheidungsfindung, Speicherung der Information.
  3. Output: Umwandlung der Informationen aus 2. in Interaktionen mit der Umwelt, also Umwandlung in unser Verhalten

In ihrer Gesamtheit bilden diese Systeme somit die grundlegenden Strukturen menschlichen Erlebens und Verhaltens – sozusagen unser „Verhaltensvokubalur“.

Was verstehen wir unter dem primären Repräsentationssystem und unter dem Haupt-Repräsentationssystem?

Durch Umwelteinflüsse entwickelt und nutzt jeder Mensch seine Repräsentationssysteme unterschiedlich. So schaut der eine lieber YouTube-Videos, während die Andere sich Podcast anhört und ein Dritter die Dinge selbst ausprobieren muss, um etwas im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Im NLP wird das bevorzugte Rep-System eines Menschen auch als sein primäres Repräsentationssystem bezeichnet.

Beim Menschen spielen vor allem das visuelle, das auditive und das kinästhetische Repräsentationssystem eine große Rolle in der Wahrnehmung und Organisation unserer Umwelt, so dass diese im NLP auch als Haupt-Repräsentationssysteme bezeichnet werden (Lapp, 2023) (Dilts & DeLozier, 2000). Das olfaktorische und gustatorische System sind im Laufe der menschlichen Evolution, anders als bei anderen Tierarten, zunehmend in den Hintergrund getreten.

Grundsätzlich bildet immer ein Zusammenspiel aller Repräsentationssysteme die Gesamtheit menschlichen Erlebens (Bandler, Dilts, DeLozier, & Grinder, 1980). Dadurch entsteht auch die emotionale Bedeutung, die wir einem Ereignis oder einem Erleben zumessen.

Die unterschiedlichen Vor- und Nachteile der einzelnen Repräsentationssysteme

Jedes Rep-System weist spezifische Stärken und Schwächen auf, sodass die (meist unbewusste) Wahl des bevorzugten Systems sowohl die Informationsaufnahme als auch die nachfolgenden inneren Prozesse maßgeblich beeinflusst (Lapp, 2023).

Das visuelle Repräsentationssystem – gut für schnellen Überblick und parallele Informationsverarbeitung

Das Sinnesorgan für das visuelle Informationssystem ist das Auge. Es verarbeitet visuelle Sinneseindrücke und ist in der Lage eine große Informationsfülle gleichzeitig abzubilden. Im NLP unterscheiden wir drei unterschiedlichen Arten der visuellen Repräsentation (Lapp, 2023):

  1. Visuell-extern: Fähigkeit mit den Augen wahrgenommene Information als innere Bilder abzubilden.
  2. Visuell-intern
    1. Visuell-erinnert: Das Wiederabrufen von bereits erfahrenen Bildern vor dem inneren Auge, z. B. wenn wir uns an das heutige Meeting erinnern und uns dabei noch mal die einzelnen Slides der PowerPoint-Präsentation vor Augen führen.
    2. Visuell-konstruiert: Das Schaffen neuer innerer Bilder ohne äußere Vorlage, z. B. wenn wir uns vorstellen, wie die Dekoration einer Torte aussehen soll, bevor wir die Torte wirklich verzieren.

Das auditive Repräsentationssystem: Stark in der sequentiellen Verarbeitung von Informationen

Das Sinnesorgan für das auditive Repräsentationssystem sind die Ohren. Es ist besonders gut zur sequenziellen Speicherung von Informationen geeignet. Neben der Unterscheidung der Darstellungsarten zwischen intern und extern spielen beim auditiven System auch die Unterscheidung zwischen tonal (wie etwas klingt) und digital (was, das gehörte bedeutet) eine große Rolle. Daraus ergeben sich folgende Repräsentationsmöglichkeiten (Lapp, 2023):

  1. Auditiv-extern: Diese Rep-System unterteilen wir weiter in auditiv-extern-tonal und in auditiv-extern-digital.
    1. Auditiv-extern-tonal: Diese Rep-System meint die Fähigkeit, Unterschiede in Tonhöhe, Rhythmus, Lautstärke etc. wahrzunehmen. Wenn ich also in einem Gespräch weniger auf das gesprochene Wort als vielmehr auf den Klang der Stimme und die Lautstärke meines Gegenübers achte, fokussiere ich mich auf den auditiv-extern-tonalen Aspekt des Dialogs.
    2. Auditiv-extern-digital: Diese Rep-System bezieht sich auf die Fähigkeit, auditiven Informationen einen Sinn oder Inhalt zu geben. Wenn ich mich also auf die ganz konkret gesprochenen Worte fokussiere, liegt mein Schwerpunkt beim auditiv-extern-digitalen Rep-System.
  2. Auditiv-intern: Auch hier unterscheiden wir zwischen tonal und digital. Darüber hinaus auch noch zwischen konstruiert und erinnert.
    1. Auditiv-intern-tonal
      1. Erinnert: Erinnern an wahrgenommene Geräusche, Lautstärken, Melodien etc.
      2. Konstruiert: Wir konstruieren auditiv-intern-tonale Erlebnisse, wie z. B. das Komponieren neuer Musikstücke oder den Klang meiner Stimme beim beabsichtigten Feedback-Gespräch mit meinem Mitarbeiter.
    2. Auditiv-intern-digital
      1. Erinnert: Wenn wir uns (im Wortlaut) an Worte erinnern, die wir vorher gehört haben, z. B. wenn wir ein Gedicht wiedergeben.
      2. Konstruiert: Wenn wir uns z. B. Geschichten ausdenken, die wir vorher noch nie gehört haben.

Das kinästhetische Repräsentationssystem – alles, was uns berührt

Ein Sinnesorgan des kinästhetischen Repräsentationssystems ist die Haut oder – besser gesagt – die in der Haut befindlichen Sensoren sowie unser gesamtes körperliches Erleben (beispielsweise der Kloß im Hals, der Krampf im Magen, der Stich im Herz). Dieses System eignet sich zum einen besonders zum Erlernen und Speichern von Bewegungsabläufen und zum anderen für unser sprichwörtliches Bauchgefühl (das fühlt sich gut an – oder eben nicht). Auch hier wird zwischen externen und internalen Informationen unterschieden (Lapp, 2023):

  1. Kinästhetisch-extern: Dies meint das Wahrnehmen äußerer Reize, wie z.B. die Temperatur einer geschüttelten Hand, der Druck eines Schulterklopfens oder die Oberflächenbeschaffenheit einer Sitzgelegenheit.
  2. Kinästhetisch-intern: Dies bezieht sich auf ein Körperempfinden. Hier unterscheiden wir wieder in erinnert und konstruiert:
    1. Erinnert: Wenn ich z. B. den Bewegungsablauf eines Saltos, den ich vergangene Woche im Training absolviert habe, erneut im Körper nachvollziehe.
    2. Konstruiert: Wenn ich mir vorstelle, wie sich der erste Kuss mit dem Mann, in den ich so verliebt bin, anfühlen wird.

Jeder hat alle Repräsentationssysteme, aber ihre Ausprägungen unterscheiden uns

Jeder von uns verfügt über alle Rep-Systeme. Aber wir unterscheiden uns darin, wie viele Unterscheidungen wir darin treffen können. Folgende Merkmale können wir nutzen, um die Nutzung des einzelnen Rep-Systems einzuschätzen:

  • Intensität der Repräsentationen
  • Grad, Detailgenauigkeit und Geschwindigkeit, mit denen Informationen abgespeichert und wieder abgerufen werden können
  • Auffassungsgabe und Speicherkapazität
  • Noise (Beeinträchtigung durch andere Repräsentationssysteme)
  • Fähigkeit zur gleichzeitigen Verarbeitung in mehreren Repräsentationssystemen
  • Fähigkeit, gezielt Informationen zu verändern (Dies bezieht sich zum einen auf die kreative Fähigkeit, aus vorhandenen Informationen neues Wissen oder neue Ideen zu generieren und zum anderen auf die Veränderlichkeit von Informationen im Laufe der Zeit.)
  • Zahl bewusster Unterscheidungen, die innerhalb eines Repräsentationssystem gemacht werden können
  • Fähigkeit, Informationen zu organisieren
  • Primäres Repräsentations-, Lead-, und Referenzsystem (dazu gleich mehr).

Primäres Rep-System – wir verarbeiten wir Informationen am liebsten?

Häufig bevorzugen wir die Informationsverarbeitung in einem Rep-System. Dieses Rep-System nennen wir dann das primäre Rep-System. Es hat großen Einfluss darauf, wie ein Mensch seine Umwelt wahrnimmt und mit ihr interagiert:

  • So bevorzugen visuell orientierte Menschen innere Bilder zur Informationsspeicherung oder Entscheidungsfindung.
  • Auditive Typen hingegen nutzen bevorzugt ihre inneren Dialoge zur Erinnerung und Entscheidungsfindung.
  • Kinästhetische Typen dagegen verlassen sich gerne auf ihr (Bauch-)Gefühl.

Das Lead-System – wie nehme ich Informationen bevorzugt auf?

Je nach Entwicklungsgrad des primären Rep-Systems verfügen Menschen manchmal über ein sogenanntes Lead-System. In diesem Fall unterscheidet sich das bevorzugte Input-System von der bevorzugten Art der Repräsentation. Zum Beispiel kann eine Person visuellen Input bevorzugen, diesen jedoch am liebsten auditiv in Form eines inneren Dialogs verarbeiten und speichern. Eine andere Person dagegen nimmt Informationen lieber über den auditiven Kanal auf, verarbeitet sie dann aber in der Form von inneren Bildern.

Das Referenzsystems zur Überprüfung von Entscheidungen

Eine dritte Unterscheidung der Repräsentationssysteme im NLP bezieht sich auf das sogenannte Referenzsystem. Damit meinen wir das System, welches ein Mensch nutzt, um seine Schlussfolgerungen und Entscheidungen zu überprüfen. Handelt es sich zum Beispiel um das kinästhetische System, so sollten sich Entscheidungen für die betreffende Person „richtig anfühlen“, während auditive Typen ihre „innere Stimme“ für eine Überprüfung zu Rate ziehen werden.

Wie hilft es mir, wenn ich meine bevorzugten Repräsentationssysteme kenne?

Die eigenen bevorzugten Rep-Systeme zu kennen, bringt eine Vielzahl von Vorteilen. Hier zwei Beispiele:

  • Beim Aneignen neuen Wissens: Visuell-orientierte Menschen lernen am besten, wenn sie mit Schaubildern, Zeichnungen, Grafiken etc. arbeiten können. Bereite deinen Lernstoff entsprechend auf. Nutze unterschiedlich farbige Marker. Hänge Poster mit dem visuell aufbereiteten Wissen an verschiedenen Stellen in deiner Wohnung / deinem Büro auf. Wenn du eher das auditive Rep-System bevorzugst, sprich gerne beim Lernen vor dich hin. Fertige ggf. Audio-Dateien von deinem Lernstoff an, die du dir immer wieder anhören kannst (z. B. im Auto, bei der Hausarbeit oder beim Sport). Kinästhetischen Menschen hilft es, wenn sie sich beim Lernen bewegen können. Gehe spazieren, während du dir die Aufzeichnungen anhörst oder nimm bewusst in deinem Arbeitszimmer immer wieder andere Haltungen ein.
  • Beim Treffen von Entscheidungen: Wenn du weißt, ob du für deine Entscheidungen eher auf deine inneren Bilder, innere Stimme oder deine Körperempfindungen (dein Bauchgefühl) zurückgreifst, kannst du deine Entscheidungsvorlagen so aufbereiten, wie du es brauchst (Extra-Tipp: Das funktioniert auch mit Vorgesetzten: ist deine Chefin visuell, dann zeig ihr Grafiken. Ist dein Chef auditiv, dann trag‘ ihm etwas vor. Hast du es mit einer Kinästhetin zu tun, bring ihr ein Modell mit).

Nutze das Wissen um Repräsentationssysteme für die Kommunikation mit Anderen

Darüber hinaus kann die Kenntnis der Repräsentationssysteme dir helfen, dich besser auf zwischenmenschliche Beziehungen einzustellen und Konflikte zu lösen.

Stellt sich die Frage, woran du das bevorzugte Rep-System deines Gegenübers erkennst? Ganz einfach – an der Sprache, die er benutzt. Wenn jemand zum Beispiel sagt „Das sieht für mich gut aus“, ist das ein Hinweis, dass er gerade im visuellen Rep-System unterwegs ist. Formuliert er seine Zustimmung stattdessen mit einem „Hört sich für mich gut an“, kannst du vermuten, dass er gerade sein auditives Rep-System aktiviert hat. Und wie formuliert ein Kinästhet wohl sein Einvernehmen? Genau, durch ein „das fühlt sich gut an“.

Mit diesem Wissen kannst du deinem Gegenüber in dem Rep-System antworten, das er gerade nutzt – du holst ihn im wahrsten Sinne des Wortes dort ab, wo er gerade ist. Du wirst überrascht sein, wie viel reibungsloser deine Gespräche laufen werden.

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Literaturverzeichnis

Bandler, R., Dilts, R., DeLozier, J., & Grinder, J. (1980). Neuro-Linguistic Programming: Volume I (The Study of the Structure of Subjective Experience). Meta Publications.

Dilts, R., & DeLozier, J. (2000). Encyclopedia of systemic neuro-linguistic programming and NLP new coding. Scotts Valley, Calif.: NLP University Press.

Lapp, D. S. (2023). Das große Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach. werdewelt Verlags- und Medienhaus GmbH.

 

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen. So soll der Vorwurf, dass die Wirksamkeit von NLP Ausbildungen nicht wissenschaftlich validiert sei, entkräften werden.

Zigzehntausende Menschen erleben weltweit jedes Jahr die positiven Veränderungen einer NLP Ausbildung in ihrem Leben. Zukünftig wollen wir dies in Zahlen belegen.

Die International Association of NLP Institutes (IN) startet Projekt zur wissenschaftlichen Evaluierung von NLP Ausbildungen

Die IN hat sich deswegen die wissenschaftliche Validierung der NLP Ausbildungen auf die Fahnen geschrieben. Der Verband gehört zu den weltweit größten NLP-Verbänden mit mehr als 10.000 Mitgliedern in über 140 Ländern.

Nachdem die Entscheidung über die wissenschaftliche Validierung getroffen war, galt es nach einem geeigneten Verfahren zu suchen. Die Wahl fiel auf das Konzept des Sense of Coherence (Kohärenzgefühl). Es wurde von Aaron Antonovsky in seiner Theorie der Salutogenese entwickelt. Die Salutogenese beschäftigt sich mit den Ursprüngen von Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Herangehensweise bildet auch die Grundlage des Gesundheitsverständnis der WHO (World Health Organisation).

Außerdem passt die Salutogenese mit dieser stärken-orientierten Herangehensweise sehr gut zum NLP und seiner Ressourcen- und Stärken-Fokussierung.

Die drei Dimensionen des Sense of Coherence

Der Sense of Coherence meint das Gefühl, dass das Leben verständlich, handhabbar und sinnvoll ist.

  1. Verständlichkeit (Comprehensibility): Dies meint, inwieweit eine Person das, was in ihrem Leben passiert, als vorhersehbar und erklärbar empfindet. Menschen mit einem hohen Sense of Coherence verstehen, warum Dinge geschehen und erkennen Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung.
  2. Handhabbarkeit (Manageability): Handhabbarkeit beschreibt die Überzeugung, dass eine Person die Ressourcen und Fähigkeiten besitzt, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Personen mit einem starken Sense of Coherence fühlen sich befähigt, Probleme zu bewältigen und Strategien zur Stressbewältigung anzuwenden.
  3. Sinnhaftigkeit (Meaningfulness): Diese beschreibt, inwieweit eine Person das Leben als sinnvoll, lohnend und wertvoll empfindet. Ein starkes Gefühl der Sinnhaftigkeit stärkt Motivation, Durchhaltevermögen und Resilienz – selbst in schwierigen Zeiten.

NLP Ausbildungen zielen auf eine Stärkung des Sense of Coherence

NLP Ausbildungen vermitteln viele praktische Formate, die den Einzelnen darin unterstützen, Veränderungen in seinem Denken, Fühlen und Verhalten zu erreichen. Hier sind einige Ansätze, wie NLP dazu beitragen kann, deinen Sense of Coherence zu stärken:

  1. Ressourcenorientierte Strategien: NLP bietet eine Vielzahl von Techniken und Strategien, um individuelle Ressourcen zu identifizieren, zu aktivieren und zu stärken. Indem Menschen ihre Stärken und Fähigkeiten erkennen und nutzen, können sie ein Gefühl der Handhabbarkeit und Selbstwirksamkeit entwickeln.
  2. Perspektivenwechsel: NLP hilft, alternative Perspektiven und Denkweisen zu erkunden. Dies kann dazu beitragen, dass Menschen die Handlungen ihres Gegenübers besser verstehen und einschätzen können, indem sie neue Wege finden, um ihre Erfahrungen zu interpretieren, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen.
  3. Sprachmuster und Kommunikation: NLP bietet Werkzeuge zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation und Selbstkommunikation. Durch die Verwendung von positiven Sprachmustern können Menschen ihre Sinnhaftigkeit stärken, indem sie ihre Ziele und Werte klarer definieren und ausdrücken.
  4. Selbstreflexion und Zielsetzung: NLP fördert Selbstreflexion und die Klärung von Zielen und Werten. Indem Menschen sich bewusst werden, was ihnen wichtig ist und was sie erreichen möchten, können sie ein tieferes Gefühl der Sinnhaftigkeit entwickeln und ihre Handlungen darauf ausrichten.

Durch die Entwicklung eines starken Sense of Coherence werden Menschen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Lebens und erfahren ein tieferes Gefühl von Gesundheit und Wohlbefinden.

Deswegen: WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen, um zukünftig schwarz auf weiß dokumentieren zu können, dass unsere Ausbildungen die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Teilnehmer fördern. Jeder Einzelne erlebt das ohnehin auch jetzt schon nach jedem einzelnen Ausbildungswochenende.

Der SOC-9: Bewährtes Instrument der Messung des Sense of Coherence

Der Sense of Coherence Scale (SOC-9) ist ein validiertes Instrument zur Messung des Sense of Coherence (SOC). Es besteht aus 9 Punkten, die die drei Dimensionen des SOC – Verständlichkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit – erfassen. Die Skala wird häufig in der Gesundheitsforschung und in der psychologischen Forschung verwendet, um den Zusammenhang zwischen dem SOC und verschiedenen Gesundheits- und Wohlbefindensindikatoren zu untersuchen.

Die einzelnen Schritte der Überprüfung mittels SOC-9

Um die Wirksamkeit einer NLP Ausbildung wissenschaftlich zu überprüfen und den SOC zu messen, werden von der IN folgende Schritte unternommen werden:

  1. Auswahl der Stichprobe: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer von der IN zertifizierten NLP Ausbildung (NLP Practitioner, NLP Master, NLP Trainer, NLP Coach) sind eingeladen, vor Beginn der Ausbildung den SOC-9-Fragebogen ausfüllen. So erhalten sie ihren Ausgangswert des Sense of Coherence.
  2. Durchführung der NLP Ausbildung: Im Rahmen der NLP Ausbildung wird mindestens das von der IN für die jeweilige Ausbildungsstufe vorgesehene Curriculum vermittelt (die Inhalte der WildWechsel-Ausbildungen gehen regelmäßig weit über die Curricula der IN hinaus).
  3. Post-Training-Messung des SOC: Nach Abschluss der NLP Ausbildung füllen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den SOC-9-Fragebogen erneut aus, um ihren Sense of Coherence nach der Ausbildung zu erhalten.
  4. Vergleich der Ergebnisse: Durch den Vergleich der  SOC-Werte vor und nach der NLP Ausbildung können die Teilnehmer feststellen, wie sich ihr Sense of Coherence verändert hat. Eine Zunahme des SOC deutet darauf hin, dass die NLP-Techniken dazu beitragen, den SOC zu stärken. Die Teilnehmer erhalten indvidualisierte Auswertungen, die Institute lediglich aggregierte.
  5. Statistische Analyse: Auf der aggregierten Ebene analysiert die IN, inwieweit die beobachteten Veränderungen im SOC nach der NLP Ausbildung signifikant sind.
  6. Interpretation der Ergebnisse: Nach Abschluss der Analyse kann die IN Schlussfolgerungen darüber ziehen, inwieweit die NLP-Ausbildung den Sense of Coherence der Teilnehmenden stärken. Daraus kann sie Rückschlüsse für die kontinuierliche Verbesserung von Lehre und Praxis ziehen.

Vorteile durch die Teilnahme am SOC-9 für die Teilnehmenden einer NLP-Ausbildung

Die Teilnehmer haben durch die Teilnahme am Sense of Coherence Scale (SOC-9) eine Reihe von Vorteilen:

  1. Selbstreflexion und Bewusstsein: Die Teilnehmer können ihre eigene Wahrnehmung von Verständlichkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit in ihrem Leben reflektieren. Dies fördert ein tieferes Bewusstsein für ihre persönlichen Stärken und Herausforderungen. Sie erhalten ihre Auswertung innerhalb weniger Minuten nach dem Ausfüllen des Tests. Dadurch erhalten sie eine wertvolle Grundlage, um eigene Schwerpunkte in ihrer NLP-Ausbildung zu setzen.
  2. Messbare Ergebnisse: Die Teilnahme am SOC-9 ermöglicht es den Teilnehmern, ihren Sense of Coherence quantitativ zu erfassen. Dies bietet eine objektive Möglichkeit, Veränderungen im Verlauf der eigenen NLP-Ausbildung zu verfolgen und zu bewerten.
  3. Evaluierung des Fortschritts: Die Teilnehmer können ihren SOC-9-Wert vor und nach der NLP-Ausbildung vergleichen, um festzustellen, inwieweit sich ihr Sense of Coherence im Laufe des Trainings verbessert hat. Dies ermöglicht es den Teilnehmern, ihre persönliche Entwicklung und ihren Fortschritt im Umgang mit Stress und Herausforderungen zu bewerten.
  4. Identifizierung von Entwicklungsbereichen: Die Ergebnisse des SOC-9 können den Teilnehmern dabei helfen, Bereiche zu identifizieren, in denen sie möglicherweise noch Potenzial haben, um ein starkes Gefühl von Verständlichkeit, Handhabbarkeit oder Sinnhaftigkeit zu entwickeln. Dies ermöglicht es ihnen, gezielt an diesen Bereichen zu arbeiten und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
  5. Anpassung der NLP-Techniken: Basierend auf den Ergebnissen des SOC-9 können NLP-Trainer die Inhalte und Techniken der Ausbildung anpassen, um die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungsbereiche der Teilnehmer besser zu adressieren. Dies trägt dazu bei, dass die NLP Ausbildung noch effektiver wird und die Teilnehmenden noch bessere Ergebnisse erzielen.
  6. Förderung von Resilienz und Wohlbefinden: Indem die Teilnehmenden ihren Sense of Coherence stärken, werden sie widerstandsfähiger gegenüber stressigen Situationen. So erfahren sie ein tieferes Gefühl von Wohlbefinden und Zufriedenheit in ihrem Leben.

Insgesamt bietet die Teilnahme am SOC-9 den Teilnehmern einer NLP-Ausbildung eine wertvolle Gelegenheit zur Selbstreflexion. Sie können ihre Fortschritte bewerten und Entwicklungsbereiche identifizieren. So bietet die NLP-Ausbildung einen noch größeren Nutzen für die persönliche Entwicklung und das Wohlbefinden jedes Einzelnen.

Die WildWechsel-NLP-Ausbildungen, die an der wissenschaftlichen Überprüfung teilnehmen

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen und freut sich, den Teilnehmenden seiner Ausbildung dieses Angebot machen zu können.

Hier findest du weitere Infos zu den einzelnen NLP-Ausbildungen von WildWechsel:

Mehr Informationen zur IN findest du hier:

International Association of NLP Institutes

Wie wichtig ist dir, dass NLP wissenschaftlich belegt ist? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Herzlichst

Susanne (Lapp)

Wie ich mit der Walt-Disney-Strategie meine Work-Life-Balance zurückeroberte

Am 12. April 2020 traf mich ein Schicksalsschlag, der mein Leben aus den Angeln hob. Mein geliebter Mann, Klaus, starb. Er war nicht nur die Liebe meines Lebens, sondern seit 2017 auch beruflich mein Partner. Es sollte anderthalb Jahre dauern, bis ich mir schließlich mit der Walt-Disney-Strategie eine neue Work-Life-Balance eroberte.

Corona, 70-Stunden-Woche und ein … Verband (mir fehlen immer noch die Worte)

Erst im Sommer 2019 hatten wir das wunderschöne Institut in Frankfurt-Fechenheim bezogen. 255 qm, sonnige Dachterrasse, Räume für die Arbeit in Kleingruppen, reichlich Parkplätze. Genauso, wie ich es mir immer erträumt hatte. Weit über 100.000 Euro hatte ich investiert.

Dann – fast zeitgleich – war Klaus tot, das Institut wegen Corona geschlossen (die Banken nicht – Mieten und Gehälter wurden weiter abgebucht) und der Verband, auf den ich mich damals fokussierte, überlegte in seinen Gremien, wie er „große Institute behindern könnte ….“. Zum einen sah ich es als Kompliment, dass WildWechsel zu den großen NLP-Instituten des Landes zählte (das tat es schon länger – hatte ich nur irgendwie nicht mitbekommen). Zum anderen hatte ich den Eindruck, plötzlich an allen Fronten um meine Existenz kämpfen zu müssen.

Das Geschäftsmodell musste von jetzt auf gleich auf online umgestellt werden (das dafür notwendige Wissen hatte ich mir in den zwei Jahren davor angeeignet, weil klar war, das Online-Seminare zukünftig an Bedeutung gewinnen würden). Die Curricula mussten angepasst, neue Trainer gewonnen werden. Etc. etc. etc.

Und den Verlust musste ich ja auch irgendwie verkraften.

Oft arbeitete ich 70 Stunden die Woche. Weinte und arbeitete und weinte und arbeitete. Vernachlässigte Freunde, Gesundheit und Familie.

Und ja, NLP half mir, durchzuziehen und alles irgendwie zu bewältigen. Finanziell sogar sehr erfolgreich. Trotzdem war ich nach anderthalb Jahren völlig durch. So wollte ich es nicht mehr. Doch wie sollte es weitergehen?

Die Walt-Disney-Strategie muss her

Ich beschloss: Alles muss auf den Prüfstand. Vielleicht wollte ich ja gar kein NLP in Fechenheim mehr machen? Sondern Yoga auf Bali? Oder Tantra auf Mallorca?

Wie sollte ich auf diese Fragen eine Antwort finden? Als NLPlerin gab es für mich nur eine Option: Die Walt-Disney-Strategie musste her.

Mit der Walt-Disney-Strategie haben Bandler und Grinder, die Begründer des NLP, modelliert, wie Walt Disney vorgegangen ist, wenn er neue Projekte in die Welt bringen wollte. Sie sprachen mit alten Weggefährten und langjährigen Mitarbeitern von ihm. Und immer wieder hörten sie, dass es eigentlich nicht einen Walt gab, sondern drei:

  1. Walt, den Träumer. Mit ihm hatte man es zu tun, wen man ihn auf seiner Ranch traf und mit einem guten Whiskey im Glas vom nächsten Projekt träumte. Die nächste Vision entwarf.
  2. Disney, den Realisten traf man im Konferenzraum, wenn es darum ging, Zahlen, Daten und Fakten zu sammeln, um die Vision von Walt Wirklichkeit werden zu lassen.
  3. Die Aufgabe des wohlwollenden Mentor (Kritiker) war es, die Überlegungen des Visionärs und des Realisten wohlwollend auf ihre Belastbarkeit zu hinterfragen und ggf. konkrete Vorschläge zu machen, wie beide noch besser werden konnten.

Jede der drei Positionen der Walt-Disney-Strategie ist unabdingbar, wenn man seine Träume und Visionen Wirklichkeit werden lassen will. Nur so kann sich Kreativität frei entfalten, ohne von einem nörgelnden inneren Kritiker zu einem zu frühen Zeitpunkt mundtot gemacht zu werden. Eine ausführliche Beschreibung des Formats findest du in meinem „Großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach“.

Meine Visionärin tritt auf den Plan

Gesagt, getan. Ich nahm mir einige Tag Zeit, legte in meinem Institut Papier und Stifte zurecht und kochte mir eine große Kanne Tee. Dann ging die Arbeit los.

Ich schlüpfte zuerst in die Rolle der Visionärin. Dazu erinnerte ich mich daran, wann ich schon einmal groß geträumt hatte. Das war der Moment, als ich zum ersten Mal von WildWechsel geträumt hatte – an einem lauen Sommertag, auf meiner Dachterrasse, bei einer Weißwein-Schorle. Ich versetzte mich zurück in den Augenblick und erlaubte meiner Fantasie, frei zu fließen.

Ich stellte mir vor, wie es sich anfühlen würde, das Institut zu schließen und nach Bali auszuwandern. Brrr, alles sträubte sich in mir.

Ich stellte mir vor, wie ich das Institut verkleinern und zukünftig nur noch 1:1-Coaching anbieten würde. Gähnende Langeweile machte sich in mir breit (nicht falsch verstehen: ich liebe 1:1-Coachings, aber ich liebe eben auch die Arbeit mit Gruppen).

Ich stellte mir vor, dass ich WildWechsel weiter ausbauen würde. Aber skalierbar, so dass ich die Aufgaben sukessive auf mehr Schultern verteilen würde. Und Bücher schreiben. Und Online-Kurse entwickeln. So dass ich zukünftig weiter meine geliebte Arbeit mit Gruppen hätte und gleichzeitig mehr Zeit für mich und meine Hobbies. Mein Herz jubelte und ich wusste: Das ist mein Weg.

Und so war mir klar: Nein, ich will nicht alles über den Haufen werfen. Ich will meinen Weg weiter gehen. Aber mit einigen entscheidenden Anpassungen. Evolution statt Revolution.

Meine Realistin übernimmt die Feinplanung

Am nächsten Tag hatte ich mich mit meiner inneren Realistin verabredet. Dem Persönlichkeitsanteil in mir, der für Zahlen, Daten, Fakten zuständig ist.

Ich analysierte die Schritte, um das weiterentwickelte WildWechsel und meine neue Work-Life-Balance Wirklichkeit werden zu lassen. Schnell war klar: Viele kleine Schritte machen einen langen Weg. Also priorisierte ich:

  • Bei WildWechsel würde ich mit einem Buch anfangen, bevor dann die Online-Kurse dazukommen würden. Im Spätsommer 2021 unterschrieb ich den entsprechenden Vertrag mit dem Verlag und im Sommer 2022 erschien dann „Das große Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner/Coach“ mit 520 Seiten, über 100 farbigen Abbildungen und mehr als 120 NLP-Formaten. Bei Amazon in der Zwischenzeit regelmäßig auf der Top-Ten-Liste der NLP-Literatur.
  • Dafür würde ich nicht mehr alle Ausbildungen gleichzeitig anbieten, sondern manche würden sich jährlich abwechseln.
  • Für meine Gesundheit würde ich eine Personal-Trainerin engagieren, um so gezielt an meinen Schwachpunkten (und meinem inneren Schweinehund) zu arbeiten. Seit Dezember 2023 treffe ich mich regelmäßig mit der wunderbaren Bonnie.
  • Ich würde wieder mit dem Malen anfangen. Am vorletzten gemeinsamen Abend mit Klaus hatte ich gemalt, während er auf der Dachterrasse saß und wir uns durch die geöffnete Tür unterhielten. Einfach wunderschön. Die Erinnerung daran schmerzte so sehr, dass ich die Pinsel seit 18 Monaten nicht angerührt hatte. Jetzt merkte ich: Ich will diesen Teil meines Lebens zurück. Ab sofort würde ich mir wieder Malkurse buchen. Hier ein Ergebnis aus dem Frühjahr 2023 (Pastell auf Papier auf Holztisch :-)):

Meine innere Mentorin überwacht den Fortschritt und sagt: Du brauchst ein größeres Team

Schließlich kam meine innere Mentorin ins Spiel. Sie betrachtete meine Pläne und Ziele wohlwollend kritisch. Und sie sagte: Das Team muss weiter auf- und ausgebaut werden. Und so kamen nach Vanessa und Larissa auch Sia und Juliane an Bord (Thorsten und Detlef sind natürlich weiterhin dabei). So schön, dass Ihr alle da seid. 🙂

Aktuell suche ich Unterstützung im Bereich Content Management und Social Media. Wenn du also etwas von NLP und Schreiben verstehst (oder einen kennst, der jemanden kennt …..), dann schau doch mal hier.

Meine innere Mentorin überwacht außerdem weiterhin, dass ich genug Zeit für Pausen einplane. Seit neuestem stehen wieder regelmäßige Städtetrips auf dem Programm. Das nächste Ziel hier heißt Hamburg mit der Caspar-David-Friedrich-Ausstellung und einem Annett-Louisan-Konzert in der Elbphilharmonie. Freue mich über deine Empfehlungen, welche Städte ich unbedingt als nächstes besuchen muss?

Die Walt-Disney-Strategie: Dankbarkeit für NLP und die Menschen in meinem Leben

Heute, gut anderthalb Jahre nach meinem Tiefpunkt, gibt es eine neue Work-Life-Balance in meinem Leben. Mit mehr Bewusstheit, mehr Demut und mehr Weichheit. Und viel Neugier, wie wohl die nächsten Schritte sein werden. Es bleibt spannend.

An dieser Stelle möchte dich ermutigen, die Walt-Disney-Strategie selbst auszuprobieren, wenn du vor Herausforderungen stehst oder nach neuen Perspektiven suchst. Manchmal liegt die Lösung näher, als wir denken, und es braucht nur ein wenig Kreativität und Mut, um sie zu finden.

Bleib stark und lass dich nicht von Rückschlägen entmutigen. Das Leben ist eine Reise voller Höhen und Tiefen, aber am Ende lohnt es sich immer, für seine Träume zu kämpfen.

In diesem Sinne sende ich dir liebe Grüße und die besten Wünsche für deine eigene Reise der Persönlichkeitsentwicklung.

🧡 Herzlichst

Deine Susanne

PS Eine ausführliche Anleitung für die Walt-Disney-Strategie findest du im „Großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner/Coach“. Hier kannst du es direkt bestellen.   Viel Spaß und Erfolg bei der Anwendung!

PS II Wenn du deinen Weg nicht alleine gehen willst, sei bei der nächsten Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach dabei. Wir starten wieder am 19. April 2024. Hier geht’s direkt zur Anmeldung.

Was mir meine Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach bei WildWechsel gebracht hat? Mehr Gelassenheit, mehr Schwimmen, mehr Schlaf

Erfolgreiche Absolventinnen derNLP-Practitioner-Ausbildung

In diesem Artikel berichtet Juliane, die 2022/23 die systemische Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach absolviert hat, was sich durch die Ausbildung in ihrem Leben geändert hat. So viel sei verraten: Eine ganze Menge. 😊

Was mir meine Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach bei WildWechsel gebracht hat? Mehr Gelassenheit, mehr Schwimmen, mehr Schlaf

Als ich mich für meine Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach angemeldet habe, wollte ich gelassener, selbstsicherer und weniger perfektionistisch werden. Ich wollte den liebevollen Umgang mit meinem Umfeld und mir lernen. Darüber hinaus wünschte ich mir eine bewusstere Zeit- und Rollenwahrnehmung.

Von all dem war ich im Herbst 2022 meilenweit entfernt. Ich war schnell gereizt, nah am Wasser gebaut und stand ständig unter Strom. Neben meiner Vollzeitstelle war ich Mutter einer vorpubertären Tochter, Lernbegleiterin, Finanz- und Haushaltsmanagerin, Elternbeirätin sowie Familien- und Freizeitorganisatorin. Um dennoch mein selbst-auferlegtes Pensum zu schaffen, wurden meine Nächte immer kürzer.

Heute schlafe ich wieder ausreichend (meistens), gehe regelmäßig schwimmen und bin deutlich gelassener. Doch der Reihe nach.

Das 1. NLP-Practitioner-Wochenende: Die positive Absicht des anderen erkennen

Gleich am 1. Vormittag der Ausbildung lernten wir die Vorannahmen des NLP kennen. Eine lautet: Jede*r handelt aus einer positiven Absicht.

Wir NLP-Azubis erörtern diese in der Peer-Group an Alltagssituationen. Ich wähle die fast tägliche Auseinandersetzung am Frühstückstisch. Während ich mich bisher noch im Halbschlaf an meiner Teetasse festhielt, wollte mein Mann über aktuelle Nachrichten diskutieren. Dies setzte mich bisher unter Druck.

Vor dem Hintergrund der NLP-Vorannahme, dass er eine positive Absicht verfolgt, überlege ich jetzt, dass gut informiert in den Tag zu starten, vielleicht nur sein Bedürfnis nach Überblick ausdrückt. Dies nimmt mir den Druck, auf die Nachrichten mit einer Meinung zu reagieren. Seitdem laufen unsere Gespräche am frühen Morgen deutlich entspannter.

Ich lerne, mit meiner Tochter im Gleichklang zu schwingen

Das sollte nicht das letzte Licht bleiben, das mir an diesem Wochenende aufging.

Denn jetzt wandten wir uns dem Rapport zu. Er wird subjektiv als Gefühl des Gleichklangs und der Verbundenheit erlebt. Er entsteht u.a., wenn ich meinen körpersprachlichen Selbstausdruck an den meines Gegenübers anpasse.

Tue ich dies bewusst nicht, entsteht dagegen ein Störgefühl, der sog. Mismatch. Ich erkannte: Wenn ich bisher abends erschöpft von der Arbeit nach Hause gekommen war, fabrizierte ich ungewollt fast tagtäglich solch einen Mismatch. Denn unsere Tochter hüpfte mir meist begeistert entgegen. Ich dagegen war in Gedanken bei meinen To-Do-Listen. Die Begeisterung meiner Tochter war mir in diesen Momenten oft zu viel.

Durch das bewusste Herbeiführen eines Missmatch im Seminar erlebe ich, wie schmerzhaft dieser Kontaktabbruch für sie sein muss. Seitdem stelle ich mich bei meiner Heimkehr in auf das freudige Entgegenhüpfen ein und entgegne es. So starten wir jetzt oft viel entspannter in unsere Abende.

Das 2. NLP-Practitioner-Wochenende: Auf Knopfdruck entspannen

Das 2. NLP-Practitioner-Wochenende beginnt und ich freue mich, alle wiederzusehen. In der Teeküche herrscht ein reges Treiben und meine Lieblingskekse sind auch da.

Wir lernen, uns einen Entspannungsanker zu setzen. Erst bin ich mir unsicher, ob das bei mir funktionieren wird. Doch es klappt!

Seitdem kann ich der Hektik auf der Arbeit etwas entgegensetzen. Wenn die innere Unruhe nach mir greift, aktiviere ich meinen Anker und atme automatisch ruhiger. Das alleine hilft mir, mein Stresslevel zu reduzieren, was mich besser fühlen lässt.

Schluss mit Weinen. Ich fang an, für meine Bedürfnisse einzustehen

Fühlen konnte ich schon immer gut. Manchmal sogar zu gut. So störte es mich, dass das Weinen manchmal unverhältnismäßig über mich kam.

Zum Beispiel eines Abends, als ich mit einer Freundin ins Kino gehen wollte. Mein Mann jedoch wollte nicht schon wieder allein im Wohnzimmer sitzen wie die letzten 3 Abende. Die hatte ich mit der Steuererklärung, der Vorbereitung eines Flohmarktstandes und bei einem Elternabend verbracht. Wahrlich nichts, was mir Spaß macht. Aber anstatt diesen Gedanken laut auszusprechen und für mein Bedürfnis einzustehen, begann ich zu weinen.

Heute weiß ich: Mein Weinen war ein typischer Fall eines Sekundärgefühls. So nennt man ein Gefühl, welches sich unbewusst vor ein echtes Gefühl schiebt, weil es für sozial akzeptabler gehalten wird. Ich hatte in meiner Kindheit gelernt, Trauer vor Ärger zu schieben. Schließlich schickt Wut sich nicht für Kinder, schon gar nicht für Mädchen.

Zum Glück wird mir dies immer öfter bewusst. Heute äußere ich meinen Ärger, wenn ich mich ungerecht behandelt oder übergangen fühle. Und mein Mann weiß jetzt, woran er mit mir ist. Unsere Gespräche drehen sich um die Dinge, um die es wirklich geht.

Das 3. NLP-Practitioner-Wochenende: Ich lerne, die Welt aus den Augen des anderen

Die Ausbildung läuft jetzt seit über zwei Monaten. Ich genieße die regelmäßigen Treffen mit meiner Peergruppe zwischen den Ausbildungswochenenden.

Bei einem dieser Treffen arbeite ich an einem regelmäßigen Konfliktpunkt zwischen meiner Tochter und mir: Kleidung (welche Mutter einer pubertierenden Tochter kennt das nicht!).

So wollte sie an einem kalten Januarmorgen im kurzen Rock und T-Shirt das Haus verlassen. Ich war dagegen und die Eskalation vorprogrammiert.

Wie gut, dass ich gerade das NLP-Format 1,2 und 3 gelernt hatte. Es ermöglicht, eine Situation aus drei verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. In der 1. Position erhalte ich ein Bild über meine Bedürfnisse. Ganz konkret spüre ich die Sorge, dass unsere Tochter sich erkältet. In 2. Position entwickele ich ein Verständnis für die Bedürfnisse meiner Tochter. Sie möchte diesen Rock und T-Shirt anziehen, weil sie sich damit selbstsicher und stark fühlt. Ich nehme wahr, wie Kleidung ihre Sicherheit und ihr Selbstvertrauen für den Tag erhöht. Die 3. Position ist die Meta-Position. Aus dieser Perspektive werden die Bedürfnisse von uns beiden reflektiert und Tipps gegeben. So kamen wir zu der Einigung, dass sie zu Rock und T-Shirt eine warme Leggings und Strickjacke trägt. Und mit einer schönen Frisur dem Outfit den entsprechenden Pfiff und sich zusätzliches Selbstvertrauen gibt.

Dass ich die unterschiedlichen Wahrnehmungspositionen jetzt einnehmen kann, feiere ich. Und nutze sie fast täglich nicht nur im Privatleben, sondern auch im Büro.

Ich setze mir ein Ziel: Ich will meinen Schlaf verbessern

Im Laufe der NLP-Practitioner-Ausbildung wurde meine Selbstwahrnehmung immer besser. Mir wurde bewusst, dass ich zu wenig schlief. Ich ging oft erst weit nach Mitternacht ins Bett. So waren meine Tage zu lang, meine Nächte zu kurz und ich daher oft erfüllt von einer inneren Unruhe.

Da beschäftigten wir uns damit, wie man sich wohlgeformte Ziele, also SMARTe Ziele, setzt. Ich beschloss, wieder mehr schlafen zu wollen:

  • Zuerst wird sensorisch definit die Zielvision beschrieben. Sensorisch definit sah ich mich ausgeruht und ohne Wecker erwachen. Ich fühlte mich erfrischt und bereit, in den neuen Tag zu starten.
  • Im zweiten Schritt wird das Ziel für die Erfolgskontrolle messbar beschrieben. Ich legte fest, an zwei von zehn Tagen vor 23:30 Uhr schlafen zu gehen.
  • Das Ziel war für mich a wie attraktiv. Ich versprach mir davon, ausgeruhter und ausgeglichener zu sein, und dass man mir dies auch ansehen würde.
  • Nachdem ich die Messbarkeit auf zwei von acht Tagen angepasst hatte, schien mir das Ziel auch realistisch zu sein.
  • Für das Timing entschied ich mich, am selben Abend zu starten und es zwei Monate lang zu versuchen.

Das Definieren der verschiedenen Zielaspekte hat mir geholfen, mein Ziel zu erreichen. So ist es mir im letzten Monat fast täglich gelungen, bis 23:30 Uhr schlafen zu gehen. Und ich genieße das ausgeruhte Gefühl am Morgen, denn es lässt mich deutlich entspannter in den Tag starten.

Das Ergebnis des 4. Ausbildungswochenendes: Ich fange an, wieder schwimmen zu gehen

In der Mitte der Ausbildung war ich selbst überrascht, wie viel besser es mir schon ging (um ganz ehrlich zu sein: natürlich gab es „Rückfälle“. Doch ich wurde immer besser darin, mich aus diesen Tälern wieder rauszuarbeiten).

Und ich war meist nicht nur entspannter, sondern fühlte mich auch tatkräftiger, lebendiger. So überlegte ich nach ein paar Wochen sogar, wieder schwimmen zu gehen. „Echt jetzt, bei der Kälte?“ meldete sich eine innere Stimme frontal von vorne. Vorwurfsvoll und voller Verachtung. Vor meinem inneren Auge tauchte ein Freibad im Winter auf. Innerhalb weniger Sekunden war meine Motivation dahin. Ausgelöscht durch meinen inneren Monolog und meine inneren Bilder.

Da lernte ich Sub-Modalitäten kennen. Das sind die Feinabstimmungen unserer inneren Wahrnehmung und sie sind verantwortlich für die emotionale Bewertung einer Situation. Im „großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner/Coach“, das wir gleich zu Beginn der Ausbildung bekommen hatten, konnte ich nochmal alles nachlesen.

Ich ließ die Stimme nach unten wandern und verpasste ihr den Klang des Willy aus „Biene Maya“. Sofort veränderte sich mein inneres Bild. Ich sah mich jetzt in einem wohlig warmen Indoor-Pool meine Bahnen ziehen. Meine Muskeln entspannten sich. Das Wasser gluckste ruhig über den Beckenrand. Und ich stellte mir vor, wie ich nach dem Schwimmen stolz und wohlig erschöpft in der Sauna ruhen würde.

Was soll ich sagen: Ich habe wieder begonnen, schwimmen zu gehen und genieße es, Zeit in Bewegung ganz für mich zu haben.

Fazit: Endlich ruhe ich in mir selbst – meistens

Auch in der 2. Hälfte der NLP-Practitioner-Ausbildung habe ich Instrumente kennengelernt, die mich heute in meinem Selbstmanagement täglich unterstützen. Ich habe neue Freundschaften geschlossen. Und bin selbstbewusster geworden.

Einer meiner großen Wünsche zu Beginn der Ausbildung war es, gelassener zu werden, mehr Zeit für mich zu haben und weniger unter Zeitdruck zu stehen, war. Gelingt es mir immer, diese Zeit für mich zu finden und die Balance zwischen den unterschiedlichen Rollen und Erwartungen an mich zu halten? Nicht immer, aber immer öfter. Meine Tage sind weniger eng, mit kleinen Pausen und Freuden geplant.

Ich nehme mich besser wahr und habe gelernt, meine Ressourcen zu aktivieren, um mich bei Bedarf in bessere Zustände zu versetzen. Diese neue Selbstwirksamkeit genieße ich sehr.

Die Beziehung zu meiner Tochter und meinem Mann ist entspannter und gleichzeitig (noch) liebevoller. Und dafür bin ich dankbar.

Juliane Paegelow

Die nächste systemische Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach startet am 19. April 2024. 

Die Macht des Anker-Setzens

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich mich an die Anfänge meiner Reise durch die Welt des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) erinnere. ⚓️ Ja, tue ich. Sehr gut sogar. Es war die Macht des Anker-Setzens.

Es war vor 17 Jahren. Ich arbeitete noch im Konzern. Die Gespräche mit meinem Chef waren für mich die volle Hölle. Ich hatte den Eindruck, ihm nichts rechtmachen zu können. Ich litt unter Ängsten, hatte das Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen und schlief oft schlecht. 😧

Da lernte ich während eines NLP-Workshops das Konzept des Anker-Setzens kennen. Ich wollte es ausprobieren (wie du vielleicht weißt, bin ich von Haus aus sehr neugierig 😉).

Diese Entscheidung stellt sich als eine der besten meines Lebens heraus. 🚀

Für das Anker-Setzen erinnerte ich mich intensiv an einen Moment in meinem Leben, in dem ich mich selbstbewusstkraftvoll und gleichzeitig ruhig gefühlt hatte.

Während ich mich an diese Situation erinnerte, legte ich meine Hand auf meine Brust und hielt sie dort für einige Augenblicke. Dieser einfache Akt des Berührens wurde zu meinem Anker, meinem persönlichen Auslöser für Selbstvertrauen, Ruhe und Stärke.

Und ich spürte: ich konnte das erste Mal seit Monaten wieder frei atmen. 🗽

Die Macht meines Ankers begleitet mich bis heute

In den folgenden Tagen und Wochen führte ich dieses Ritual immer wieder durch, insbesondere vor Gesprächen mit meinem Vorgesetzten.

Und ich war erstaunt über die Ergebnisse: Selbst in den schwierigsten Momenten konnte ich durch das Berühren meines Ankers meine Unsicherheit überwinden und mit größerer Gelassenheit und Entschlossenheit auftreten.

Die Macht des Anker-Setzens wurde zu einem mächtigen Werkzeug, das mir half, meine beruflichen Herausforderungen zu meistern und meine Ziele zu erreichen. 💫

💎 Es zeigte mir, wie viel Macht wir über unsere eigenen emotionalen Zustände haben und wie wir diese Macht nutzen können, um unser Leben zu verbessern.

⭐️ Für mich stand fest: Davon will ich mehr. 🔥 Meine Reise in die Welt des NLP hatte begonnen.

Deswegen ist für mich der Momentin dem ich das Setzen von Ankern heute in meinen NLP-Practitioner-Ausbildungen unterrichte, immer ein ganz besonderer Moment. 

Du willst auch so ein magisches Instrument, um dich auf Knopfdruck in bessere Zustände zu katapultieren? Die nächste Ausbildung zum NLP-Practitioner/Coach startet am 19. April.

Melde dich bis zum 19. März an und genieße Frühbucher-Rabatt.

🧡 Herzlichst

Susanne

PS Bist du schon zu meiner kostenlosen NLP-Masterclass „Löse die Fesseln der Vergangenheit – finde inneren Frieden“ ab 11. März angemeldet? Hier kannst du dich noch anmelden. Ein intensiver Kick-Off-Workshop, 6 Coaching-Videos und eine Abschluss-Session erwarten dich.

Und der NLP-Infoabend, von dem ich dir im letzten Newsletter erzählt habe, findet am 14. März statt. Dafür kannst du dich hier anmelden (du bevor du fragst: du kannst natürlich auch bei allen drei Events dabei sein 😍)

Meine erste Heldenreise – oder: Wie ich das Monster Hässlichkeit besiegte

Es war im Februar 2018, als ich meine erste Heldenreise antrat.

5 1/2  Monate Chemo lagen hinter mir. Genauso wie meine Haare, die ich schon kurz nach dem Beginn der Chemo dem Badezimmerboden geopfert hatte. Wimpern und Augenbrauen waren wenig später gefolgt. Dafür hatte ich auch etwas bekommen, nämlich 6 zusätzliche Kilos auf den Hüften und ein echtes Mondgesicht, kugelrund und aufgedunsen. Eine Nebenwirkung der hohen Cholesterol-Gaben, die die Chemo erträglicher machen sollten.

Mein Immunsystem war im Eimer. Mein Nervenkostüm und mein Selbstvertrauen auch. Ich wusste: Es muss etwas geschehen.

Was ist die Heldenreise?

Nur was? Sinnierend stand ich von meinem Bücherschrank. Wie der Zufall (oder wer auch immer) es wollte, blieb mein Blick an der Heldenreise von Joseph Campbell hängen. Der Professor für Mystik hatte in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts über 3000 Sagen und Märchen aus aller Welt untersucht.

Und festgestellt: sie ähneln sich in ganz verblüffender Weise:

  1. Der Held in seiner vertrauten Welt.
  2. Der Held erhält einen Ruf.
  3. Der Held bricht auf ins Abenteuer.
  4. Er findet Gefährten.
  5. Er muss Abenteuer bestehen.
  6. Der Held konfrontiert den Drachen, der die Prinzessin geklaut hat.
  7. Der Held kehrt mit der Prinzessin zurück ins Schloss.

Campbell fragte sich, wieso sich die Geschichten von den Inuit in Alaska, den Navajos im Südwesten, der USA und den Brüder Grimm im Osthessen so überraschend  gleichen. 

Er fand den Grund: Die Struktur der Heldenreise entspricht der Struktur jeder größeren menschlichen Veränderung!!

Erst ist eigentlich alles in Ordnung. Dann ereilt uns eine schlechte Nachricht, auch Katastrophe genannt. Um sie zu bewältigen, müssen wir uns verändern. Das bedeutet einen Aufbruch ins Unbekannte. Wir suchen uns Menschen, die uns unterstützen. wir kommen (in kleinen Schritten) vorwärts, bis wir dann unsere größten Angst, unserer mentalen Blockade begegnen. Doch kaum haben wir diese überwunden, können wir auch schon die schönsten Belohnungen (neue Freiheit, neuen Erfolg, verbesserte Beziehungen) genießen.

Ich muss auf die Heldenreise

Also da stand ich ohne Haare, Wimpern und Augenbrauen. Dafür mit Extra-Ringen auf den Hüften. Und ich wusste sofort: Ich muss auf die Heldenreise. Ich muss verstehen, wofür diese Krankheit und das alles gut sein soll und wie es weitergeht. 

Gesagt, getan. Zehn Tage später fand ich mich mit 13 Gleichgesinnten in einem Seminarraum wieder. Bereit für meine ganz eigene Heldenreise, für meine Reise zu mir selbst.

Alle Handys aus und schon ging es los. 

Ich erschuf den Helden meiner Kindheit neu. Lachte, weinte, zitterte. Die Heldin in  mir erstarkte. Sie erwachte zu neuem Leben. Endlich. 

Das Monster Hässlichkeit erscheint

Doch der wichtigste Moment kam, als am 4. Tag die Konfrontation mit meinem inneren Drachen, meiner größten Angst anstand. In meiner Trance erschien mir das Monster namens „Hässlichkeit“. 

Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht damit. Das sollte die Antwort sein?!!???

Zwar hatte ich mich seit frühester Jugend hässlich gefühlt. Zu dick. Zu dünne Haare. Zu kleine Augen. Immer wieder gab es Kommentare meines Umfelds „Du hast ein Arsch wie ein Ackergaul“. „Du bist so hässlich – du findest nie einen“ waren noch die freundlicheren. Ewig  hatte ich seitdem gemeint, mich verstecken zu müssen: weite T-Shirts, weite Schlabberkleider. Fotos hasste ich.

Als Selbstständige wurde das zum Problem, denn ohne Sichtbarkeit konnte ich Menschen nur schwer erreichen. Dass mich das auch in meiner Beziehung belastete, muss nicht erwähnt werden. 

Trotzdem war ich überrascht, dass an diesem Morgen ausgerechnet das Monster Hässlichkeit erschien. Ich war so aufgeregt, bevor meine innere Heldin und das Monster Hässlichkeit zum Kampf antreten. Wie würde die Schlacht enden? Sie tobte den ganzen Vormittag in mir. Mal ging es hin, mal ging es her. Doch dann – hatte die Heldin gewonnen.

Die Schönheit gewinnt

Und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich meine eigene Schönheit sehen!!!! Ich stand nackt und rund und ohne Haare vor dem Spiegel. Und ich sah meine Schönheit.  Und auch wenn es pathetisch klingt: In dem Moment habe ich geweint vor Glück (wirklich wahr).

Weil ich wusste: Dieser Sieg bedeutet so viel mehr. Endlich kann ich rausgehen ins Leben und die Welt erobern. Die Menschen können mich sehen und – wenn sie wollen – meine Schönheit.

Ich bin so viel mehr als Kilos auf der Waage oder Haare auf dem Kopf (dass an diesem Tag auch mein Ausstieg aus dem emotionalen Essen begann, ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden.)

Neue Kraft, Freiheit und Nähe belohnen mich für meine Heldenreise

Dieses Wissen über meine unkaputtbar eigene Schönheit gab mir die Kraft, das WildWechsel-Wachstum auf ein ganz neues Level zu heben (und körperliche Nähe ganz neu zu genießen). 

Danke, Heldenreise !

Wenn in dir auch ein Kindheitsmonster sein Unwesen treibt….  Du nicht weißt, welches deine nächsten Schritte sind …. Oder, oder, oder  ….. dann sei doch dabei bei der nächsten integralen Heldenreise. Erwecke deinen Helden / deine Heldin zu neuem Leben und besiege alte Monster. 

Sieben intensive Wochen, sieben Live Calls, mindestens sieben geführte Meditation und so viel mehr erwarten dich.

Start: 7. Februar 2024, 19:00 Uhr. Online, intensiv, transformativ.

Ja, ich will mehr erfahren (Hier klicken)

PS Eine Integrale Heldenreise ist auch ideal als Begleitung oder Einstieg in eine NLP-Ausbildung.