Kalibrieren im NLP: So wirst du zum Menschenflüsterer

mensch mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken

Stell dir vor, du sitzt in einem Bewerbungsgespräch. Die Personalerin stellt dir Fragen, und während du antwortest, beobachtest du ihre Reaktionen genau. Du bemerkst, wie sie bei bestimmten Themen die Augen weitet und bei anderen leicht die Stirn runzelt. Durch dein Kalibrieren im Sinne des NLP, also die sinnlich-konkrete Wahrnehmung auf die Veränderung in ihrem Selbstausdruck (vgl. ​Dilts & DeLozier, 2000), bekommst du Hinweise darauf, welche Aspekte deiner Antworten gut ankommen und welche weniger. So kannst du deine Strategie anpassen und deine Chancen auf den Job erhöhen.

Oder stell dir vor, du bist auf einer Reise in ein fremdes Land und verstehst die Sprache nicht. Doch du kannst durch die genaue Wahrnehmung der Körpersprache und des Tonfalls deines Gegenübers viele Hinweise darauf bekommen, wie es ihm gerade geht. Du beginnst, die subtilen körpersprachlichen Signale zu entschlüsseln. So erhältst du mehr Hinweise auf die Gefühle und Gedanken deines Gegenübers, als seine Worte alleine dir je vermitteln könnten.

Kalibrieren im NLP bezeichnet also das sinnlich-konkrete Wahrnehmen des wahrnehmbaren Selbstausdrucks einer Person. Es bedeutet, deine Aufmerksamkeit bewusst auf das zu richten, was du sehen, hören, fühlen oder riechen kannst. 

Grundlage des Kalibrierens ­im NLP – Wahrnehmung als Schlüssel für Einfühlung und erfolgreiche Kommunikation

Im NLP gehen wir davon aus, dass innere Zustände wie Freude, Angst, Neugierde mit bestimmten Physiologien einhergehen ​(Lapp, 2023). Einige dieser Reaktionen sind genetisch verankert und bei allen Menschen ähnlich. Dies ermöglicht es uns, auch Menschen, die wir nicht kennen, bis zu einem gewissen Grad einzuschätzen. So äußert sich Angst auf der ganzen Welt am eingezogenen Kopf, an hochgezogenen Augenbrauen, weit aufgerissenen Augen und geweiteten Pupillen.

Darüber hinaus jedoch variieren die physiologischen Reaktionen von Person zu Person. So drücken manche Menschen Angst außerdem aus, indem ihre Pupillen schnell von rechts nach links wandern, während sie bei anderen einfrieren. Manche Menschen beginnen sogar zu kichern, während andere verstummen.

Deshalb verstehen wir im NLP körpersprachliche Ausdrucksweisen weniger als universelle Sprache, sondern vielmehr als individuellen Zugang zum inneren Erleben unseres Gegenübers – zu seinem ganz persönlichen Modell der Welt (Lapp, 2023). Ob jemand überrascht oder ängstlich ist, erkennen wir deutlich zuverlässiger, wenn wir uns von erlernten Definitionen, „was normal ist“ lösen und uns genau auf die nonverbalen Signale einer Person in einem bestimmten Zustand einstellen. 

Das Zusammenspiel von Kalibrieren im NLP und Interpretieren – ein Beispiel

Der Fokus liegt also beim Kalibrieren vor allem auf Veränderungen des körpersprachlichen Selbstausdrucks, um daraus im nächsten Schritt Rückschlüsse auf Veränderungen im Inneren eines Menschen ziehen zu können (Lapp, 2023).​ Stell dir vor, du bist im Gespräch mit dieser jungen Frau und du siehst zunächst ihren ersten Gesichtsausdruck (siehe Abbildung 1): Hochgezogene Mundwinkel, entspannte Stirnregion. Nun kannst du eine Vermutung anstellen, wie sie zu deinem gerade geäußerten Vorschlag steht – vielleicht wohlwollend offen.

Mensch mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken

Doch während du deinen Vorschlag weiter ausführst und dich gut auf sie kalibrierst (also genau hinschaust und nicht aufs Handy starrst), bemerkst du, wie ihr bisheriger Gesichtsausdruck plötzlich von Ausdruck 2 abgelöst wird: nach unten gezogenen Mundwinkeln und zusammengezogenen Augenbrauen.

Diese Wahrnehmung lässt dich vermuten, dass du gerade ihre Zustimmung verloren hast. Schnell justierst du nach und lenkst deinen Vorschlag in eine andere Richtung. Gesichtsausdruck 3 erscheint: Geöffneter Mund und geweitete Augen. Das könntest du als Überraschung interpretieren und potenzielles Interesse. So führst du deinen Vorschlag weiter aus und es erscheint Gesichtsausdruck 4: nach rechts oben gerichtete Augen und ein Auf-die-Lippen-beißen. Du könntest vermuten, dass sie erneut begonnen hat zu überlegen, ob sie deinem (angepassten) Vorschlag zustimmen soll. So konntest du durch dein sorgfältiges Kalibrieren eine Absage vermeiden und einen Erfolg verbuchen.

In der Realität sind die Veränderungen natürlich oft subtiler, aber das Prinzip das gleiche.

Und der ungeübte Beobachter wird sich fragen: Wie hat sie das bloß geschafft? Sie ist ja eine wahre Menschenflüsterin. (Nicht anders gehen übrigens die bekannten Mentalisten vor. Eigentlich sind sie „nur“ wahre Meister in der Kunst des Kalibrierens – so wie du bald auch 😊.)

In welchen Bereichen kannst du das Zusammenspiel aus Kalibrieren und Interpretieren besonders gut nutzen?

Im Folgenden findest du 5 Bereiche, in denen du Kalibrieren besonders gewinnbringend einsetzen kannst:

  1. Allgemeine Verbesserung der Kommunikation

Kalibrieren hilft, die nonverbalen Signale unseres Gegenübers zu erkennen und zu interpretieren, was zu einer effektiveren und klareren Kommunikation führt. Durch das Beobachten von Mimik, Gestik und Tonfall können wir Missverständnisse vermeiden und sicherstellen, dass unsere Botschaften wirklich ankommen. Das funktioniert beim Pizzaboten genauso gut wie bei der Vorstandsvorsitzenden. Mach‘ sorgfältiges Kalibrieren zur Grundlage jeder Kommunikation und genieße den Quantensprung in deinen Gesprächen.

  1. Aufbau tieferer Beziehungen

Durch Kalibrieren im Sinne des NLP können wir bessere Vermutungen über die wahren Gefühle und Bedürfnisse unserer Mitmenschen anstellen. Dies ermöglicht uns, empathischer zu reagieren und tiefere, authentischere Beziehungen aufzubauen, sei es im beruflichen oder privaten Umfeld. Erst, wenn du mitbekommst, dass sich hinter dem vermeintlichen Unwillen deines Mitarbeiters eigentlich eine tiefe Angst zu versagen verbirgt, kannst du darin unterstützen, diese zu überwinden. Dein Mitarbeiter und deine Teamergebnisse werden es dir danken.

  1. Erfolgreichere Verhandlungen

In Verhandlungen hilft uns Kalibrieren, die versteckten Signale und Absichten unseres Gegenübers zu erkennen. Indem wir seine subtilen körpersprachlichen Hinweise auf Zustimmung und Ablehnung wahrnehmen, können wir unsere Angebotsstrategie anpassen und Verhandlungsergebnisse zu unserem Vorteil beeinflussen.

  1. Verbesserung der Führungskompetenzen

Als Führungskraft ermöglicht dir Kalibrieren, die Stimmungen und Motivationen deiner Teammitglieder besser zu erkennen. So kannst du gezielter auf ihre Bedürfnisse eingehen, Konflikte frühzeitig erkennen und ein unterstützendes Arbeitsumfeld aufbauen.

  1. Persönliche Entwicklung und Selbstwahrnehmung

Kalibrieren hilft uns nicht nur, andere besser zu verstehen, sondern auch uns selbst. Durch die bewusste Wahrnehmung unserer eigenen Reaktionen und nonverbalen Signale können wir unsere Selbstwahrnehmung schärfen und persönliches Wachstum fördern.

Allgemein liefert dir Kalibrieren im NLP also wertvolle Hinweise 

  • auf Vorlieben und inhaltliche Positionen deines Gegenübers,
  • auf die Grenzen deines Gegenübers,
  • ob die Interaktion mit deinem Gegenüber läuft oder nicht.

Worauf genau kannst du dich bei deinem Gegenüber kalibrieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dich sinnlich-konkret auf dein Gegenüber zu kalibrieren ​(Lapp, 2023):

  1. Die visuelle Wahrnehmung: Du kannst dich auf alles kalibrieren, was du sehen kannst. Schau also auf Veränderungen in der Gestik, Mimik oder Körperhaltung. Was macht jemand beispielsweise mit seinen Mundwinkeln? Seinen Händen und Füßen? Wie raumgreifend sind seine Gesten? Wie aufrecht ist seine Körperhaltung und wie die Neigung seines Kopfes?
  2. Die auditive Wahrnehmung:Höre auf Aspekte wie Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, Tonhöhe und Sprachmelodie. Wann wird eine Stimme lauter? Wann erhöht sich die Sprachgeschwindigkeit? Wann wechselt der Druck in der Stimme deines Gegenübers? All dies liefert dir wichtige Hinweise auf eine Veränderung im Zustand deines Gesprächspartners.
  3. Die kinästhetische Wahrnehmung:Hier kannst du dich nicht nur auf die Qualität von Berührungen kalibrieren, beispielsweise vom zaghaften Händedruck bis zum wuchtigen Beinahe-Zerquetschen deiner Hand, sondern auch auf deine eigenen Körperempfindungen in der Interaktion mit deinem Gegenüber. Wann schnürt es dir den Hals zusammen? Wann krampft dein Magen? Wir NLPer gehen davon aus, dass das, was in einem Menschen vorgeht, auch mit den inneren Vorgängen seines Gegenübers zu tun hat, weil wir Menschen über Spiegelneuronen verfügen, die das Erleben des anderen in uns spiegeln  (mehr dazu im Artikel „Spiegeln (Pacing) – deine Grundlage für jede gelingende Kommunikation“).
  4. Die olfaktorische Wahrnehmung: Manchmal liefert uns auch unser Geruchssinn wertvolle Anhaltspunkte. Ein bekanntes Beispiel ist der „Angstschweiß“, den man oft riechen kann. Auch der Geruch von Alkohol oder Zigarettenrauch kann Hinweise auf die inneren Zustände und das Verhalten unserer Mitmenschen geben.
  5. Die gustatorische Wahrnehmung: Der Vollständigkeit halber sei hier noch unser Geschmackssinn erwähnt. Diesen nutzen wir im Alltag jedoch nicht, um uns auf unser Gegenüber zu kalibrieren (außer natürlich beim Sex ).

Übung zum visuellen Kalibrieren auf Erfreuliches bzw. Unerfreuliches – schärfe deine Sinne

Um ein echter Experte im Kalibrieren im NLP zu werden, ist es notwendig, das sinnliche-konkrete (sensorisch-definite) Wahrnehmen zu üben und zu schärfen. So übst du, nicht auf deine Vorurteile zu vertrauen, sondern das wahrzunehmen, was wirklich da ist. Die folgende Übung hilft dir zukünftig, die Präferenzen deines Gegenübers deutlicher wahrzunehmen.

Frage ein Familienmitglied oder Bekannten, ob er Lust hat mitzumachen, und legt los:  

  1. Bitte dein Gegenüber an eine erfreuliche Tätigkeit zu denken. Fordere ihn auf, sich alles vorzustellen, was er in dieser Situation sieht, hört und fühlt. Er soll nicken, wenn er voll und ganz im Erleben ist. Beobachte dabei ganz genau seine Körpersprache – Mimik, Gestik und Haltung. 
  2. Bitte dann dein Gegenüber, nun an eine unerfreuliche Tätigkeit zu denken. Fordere ihn wieder auf, sich alles vorzustellen, was er in dieser Situation sieht, hört und fühlt. Er soll nicken, wenn er voll und ganz im Erleben ist. Beobachte auch hier genau seine Physiologien. Achte hierbei besonders auf die Unterschiede zur ersten Situation.
  3. Wiederhole 1. und 2. so oft, bis du glaubst die Unterscheide in seiner Physiologie zu erkennen, wenn er an die erfreuliche bzw. unerfreuliche Tätigkeit denkt. Beginne dann, Fragen in Bezug auf diese Tätigkeiten zu stellen, zum Beispiel: Bist du allein bei dieser Tätigkeit?
  • Hast du sie heute schon ausgeübt?
  • Welche hast du sie das letzte Mal getan?
  • Machst du diese Tätigkeit im Freien?

Während deiner Fragen denkt dein Gegenüber willkürlich an eine der beiden Tätigkeiten (sage ihm, dass das keine Übung in Pokerface ist. Er soll so natürlich wie möglich sein).

  1. Kalibriere dich auf seinen körpersprachlichen Ausdruck und entscheide aufgrund der Erkenntnisse, die du in Schritt 1 und 2 gesammelt hast, ob er an die erfreuliche oder unerfreuliche Tätigkeit denkt.

Du wirst überrascht sein, wie sicher du mit ein wenig Übung die Tätigkeit erkennen kannst, über die dein Gesprächspartner gerade nachsinnt. (Weitere super-effektive Übungen, die dir helfen, ein wahrer Menschenflüsterer zu werden, findest du im „Großen Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach“) 

Fazit: Kalibrieren im NLP ist die feinfühlige Kunst, das Unausgesprochene wahrzunehmen

Du siehst: Kalibrieren nicht nur ein Konzept, sondern eine praktische Fähigkeit, die es dir ermöglicht, dich genau auf dein Gegenüber abzustimmen. Es ist die Kunst, kleinste nonverbale Reaktionen wahrzunehmen. Nur so kannst du ahnen (niemals wissen!), wie es in der Welt deines Gegenübers gerade wirklich aussieht.  Es ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen professionellen Interaktion mit deinen Mitmenschen.  Probiere es in den nächsten Tagen einmal selbst aus. Du wirst dich wundern, wie viel besser du deine Mitmenschen von jetzt an verstehen wirst.  

Du willst noch mehr darüber erfahren, wie du dich genau auf dein Gegenüber einstellen kannst und von nun an professionell und gekonnt kommunizierst? Dann ist die Ausbildung zum NLP-Practitioner & Coach für dich genau das Richtige! Hier erfährst du mehr. 

Literaturverzeichnis

Bandler, R. G. (2007). Therapie in Trance (Konzepte der Humanwissenschaften). ‎ Klett-Cotta. 

Dilts, R., & DeLozier, J. (2000). Encyclopedia of systemic neuro-linguistic programming and NLP new coding. Scotts Valley, Calif.: NLP University Press. 

Lapp, D. S. (2024). Das große Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach. WildWechsel Verlag.

Leading – so übernimmst du in Minutenschnelle die Führung

Dein Kollege schafft es innerhalb von Minuten, den eben noch muffeligen Kunden zum Strahlen zu bringen und du fragst dich: Wie schafft er das? Ganz einfach: Er kennt das Geheimnis von Spiegeln und Leading. Er beginnt zunächst mit Spiegeln (Englisch: Pacing) , d.h. er übernimmt den körpersprachlichen Ausdruck seines Kunden. Er zieht also vielleicht die Mundwinkel genauso nach unten wie er und lässt die Schultern genauso hängen. (Mehr zu Pacing findest du in meinem Blogartikel hier). So signalisiert er ihm: Guck mal, ich bin wie du – und du bist okay.

So baut er Rapport auf. Der Kunde gewinnt den Eindruck, dass die Chemie zwischen den Beiden stimmt. Sobald der Rapport steht, beginnt dein Kollege, seine körpersprachlichen Ausdruck hin zu einem besseren Zustand zu verändern. Er fängt also vielleicht an zu lächeln und sich aufrechter hinzusetzen. Im NLP sagen wir: Er geht ins Lead. Nach dem Pacing ist er ins Leading übergegangen. Wenn jetzt auch ein Lächeln im Gesicht seines Kunden erscheint, hat das Zusammenspiel von Spiegeln und Leading funktioniert. Dein Kollege hat seinen Kunden darin unterstützt, sich besser zu fühlen.

Wichtig: Die Voraussetzungen, damit Pacing und Leading funktionieren, sind echtes Interesse, Respekt und Wertschätzung. Werden die Techniken nur eingesetzt, um Eskimos Kühlschränke zu verkaufen, wird der Versuch scheitern (und unethisch wäre es auch noch).

Die unsichtbare Kraft hinter erfolgreicher Kommunikation

Also nochmal zusammengefasst: Leading, zu Deutsch „Führen“, bezeichnet die Fähigkeit, auf der Basis von Rapport durch eine Veränderung deines körpersprachlichen Ausdrucks dein Gegenüber darin zu unterstützen, sich besser zu fühlen.

Um effektiv zu führen, ist es hilfreich, sowohl die Körpersprache als auch inhaltliche Aspekte – also Worte – zu spiegeln. So gelingt es, ausreichenden Rapport aufzubauen, um anschließend ins Lead zu gehen.

Nonverbales Leading – die Sprache des Körpers

Wusstest du, dass über 90% unserer Kommunikation nonverbal ist? Ob du gebückt, mit verschränkten Armen in einer Gehaltsverhandlung sitzt oder aufrecht, offen und selbstbewusst, beeinflusst den Verlauf dieses Gesprächs enorm. Genau deshalb ist es so wichtig, deine Körpersprache bewusst einzusetzen.

Beim nonverbalen Leading geht es darum, durch Gesten, Mimik und Körperhaltung eine positive Atmosphäre zu schaffen. So kannst du dein Gegenüber darin unterstützen, in einen besseren mentalen Zustand zu kommen, ohne ein einziges Wort zu sagen.

Inhaltliches Leading – die Macht der Worte

Worte haben Macht. Beim inhaltlichen Leading geht es darum, die richtigen Worte zur richtigen Zeit einzusetzen. Wenn dein Gegenüber also sagt: „Das Projekt läuft schlecht“, kannst du ihn zunächst inhaltlich spiegeln, indem du sagst: „Du meinst – das Projekt läuft schlecht.“ so baust du Rapport auf und erhöhst die Bereitschaft des Anderen, dir zuzuhören.

Dann kannst du inhaltlich ins Leading zu gehen, indem du vielleicht fortfährst „Und deswegen wollte ich dir drei Schritte vorstellen, wie wir das Projekt jetzt beschleunigen können“.

Nutze die Macht der Sprache, um positive Veränderungen herbeizuführen.

Wozu du Leading in deinem Privatleben gebrauchen kannst

Leading kannst du nicht nur einsetzen, um deinen Kunden zum Lächeln zu bringen, sondern auch,

  • um dein Kind zu beruhigen, indem du mit einer ruhigen Stimme und einer zugewandten Körperhaltung Sicherheit vermittelst.
  • um deine Partnerin nach einem anstrengenden Tag im Büro dabei zu unterstützen, in die Entspannung zu kommen, indem du zunächst ihre Anstrengung spiegelst und dann ins Lead gehst und sie so in der Entspannung unterstützt.
  • deine aufgebrachten Nachbarn zu einem friedlichen Gespräch zu bewegen. Auch hier spiegelst du zunächst seine Aufregung über die vermeintlich falsch abgestellte Mülltonne und gehst dann ins Leading, indem deine Stimme ruhiger und deine Körperhaltung offener wird.

Wozu du Leading im Berufsleben nutzen kannst

Im Beruf ist die Leading eine echte Geheimwaffe, um

  • dein Team zu motivieren: Indem du zunächst ihre Bedenken spiegelst, baust du zunächst Rapport auf. Dann gehst du ins Leading über und beginnst, Zuversicht und neue Ideen zu vermitteln. Plötzlich wirst du einen ganz neuen Teamspirit erleben.
  • Verhandlungssituationen geschickt zu führen: Mit Leading kannst du die Stimmung und Dynamik des Gesprächs lenken. Nach dem Aufbau von Rapport gehst du ins Leading. Du zeigst dich offen für konstruktive Lösungen und kannst so die Kompromissbereitschaft erhöhen.
  • bei Präsentationen dein Publikum zu fesseln und zu überzeugen. Spiegel zunächst die Einwände, die deinen Zuhörern durch den Kopf gehen und geh‘ dann ins Lead, um diese Einwände zu entkräften.

Wozu du Leading in deiner Coaching-Praxis einsetzen kannst

Auch im Coaching ist gekonntes Leading unumgänglich, um eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der der Coachee sich sicher fühlt. Beginne zunächst wieder mit sorgfältigem Spiegeln. Werde dann langsam ruhiger und offener. Beobachte sorgfältig, ob dein Klient diese körpersprachlichen angebote übernimmt. Wenn ja, hast du die perfekte Grundlage für eine gelingende Transformation geschaffen. Denn erst jetzt hat dein Klient das Gefühl, seine Gedanken und Gefühle teilen zu können.

Der Prozess kann in vier einfache Schritte unterteilt werden

Wo auch immer du die Leading anwenden möchtest, das vorgehen kann in die 4 folgenden Schritte unterteilt werden:

  1. KalibrierenAuf dein Gegenüber einschwingen

Achte auf dein Gegenüber: Welche Körperhaltung nimmt er ein? Welchen Tonfall und welche Lautstärke verwendet er beim Sprechen? Atmet er schneller als gewöhnlich? Sind seine Gesten ausgeprägt? Nehmen wir das Beispiel: Dein Partner spricht schnell und laut. Er verschränkt die Arme vor der Brust.

  1. Spiegeln/Pacing – Den Selbstausdruck von deinem Gegenüber aufnehmen 

Passe dann zunächst dein eigenes Ausdrucksverhalten an das deines Partners an. Verwende also eine ähnliche Tonlage, sprich etwas schneller und verschränke ebenfalls deine Arme – genau wie er. So signalisierst du ihm: Schau, wir sind uns ähnlich. So baust du also Rapport auf – die Basis jeder gelingenden Kommunikation.

  1. Leading – Führe deinen Gesprächspartner in einen besseren Zustand

Sobald du das Gefühl hast, das ausreichend Rapport besteht, kannst du zum Leading übergehen. Dazu veränderst du Schritt für Schritt deinen eigenen Selbstausdruck hin zu dem gewünschten Zustand, in den du deinen Partner führen möchtest. In unserem Beispiel: Verringere deine Sprechgeschwindigkeit, senke deine Stimme und öffne deine Arme.

  1. Testing – Überprüfe, ob der Selbstausdruck deines Gegenübers sich verändert

Beobachte aufmerksam, ob dein Partner dir körpersprachlich folgt. Ob er also ruhiger spricht und seine Stimme senkt, und ob sich seine Körperhaltung wie deine verändert hat. Sollte dies nicht der Fall sein, kehre zu Schritt 2 zurück und wiederhole den Prozess so lange, bis dein Partner dir folgt.

Leading als Schlüssel zum persönlichen Erfolg

Probiere es aus. Am Anfang ist es vielleicht ungewohnt, doch schnell wirst du feststellen, dass Leading eine wertvolle Fähigkeit ist, die es uns ermöglicht, andere Menschen positiv zu beeinflussen und sie in bessere Zustände zu führen.

Durch die bewusste Nutzung von nonverbalem und inhaltlichem Leading können wir Vertrauen aufbauen, Motivation fördern und positive Veränderungen bewirken. Indem wir diese Techniken in verschiedenen Bereichen unseres Lebens anwenden, können wir nicht nur die Regie in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen übernehmen, sondern auch unser eigenes Potenzial voll ausschöpfen.

Du willst mehr über die Geheimnisse souveräner Kommunikation wissen? Dann ist mein großes Handbuch für den systemischen NLP-Practitioner & Coach für dich genau das richtige. Viel Spaß bei der Lektüre!

 

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen. So soll der Vorwurf, dass die Wirksamkeit von NLP Ausbildungen nicht wissenschaftlich validiert sei, entkräften werden.

Zigzehntausende Menschen erleben weltweit jedes Jahr die positiven Veränderungen einer NLP Ausbildung in ihrem Leben. Zukünftig wollen wir dies in Zahlen belegen.

Die International Association of NLP Institutes (IN) startet Projekt zur wissenschaftlichen Evaluierung von NLP Ausbildungen

Die IN hat sich deswegen die wissenschaftliche Validierung der NLP Ausbildungen auf die Fahnen geschrieben. Der Verband gehört zu den weltweit größten NLP-Verbänden mit mehr als 10.000 Mitgliedern in über 140 Ländern.

Nachdem die Entscheidung über die wissenschaftliche Validierung getroffen war, galt es nach einem geeigneten Verfahren zu suchen. Die Wahl fiel auf das Konzept des Sense of Coherence (Kohärenzgefühl). Es wurde von Aaron Antonovsky in seiner Theorie der Salutogenese entwickelt. Die Salutogenese beschäftigt sich mit den Ursprüngen von Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Herangehensweise bildet auch die Grundlage des Gesundheitsverständnis der WHO (World Health Organisation).

Außerdem passt die Salutogenese mit dieser stärken-orientierten Herangehensweise sehr gut zum NLP und seiner Ressourcen- und Stärken-Fokussierung.

Die drei Dimensionen des Sense of Coherence

Der Sense of Coherence meint das Gefühl, dass das Leben verständlich, handhabbar und sinnvoll ist.

  1. Verständlichkeit (Comprehensibility): Dies meint, inwieweit eine Person das, was in ihrem Leben passiert, als vorhersehbar und erklärbar empfindet. Menschen mit einem hohen Sense of Coherence verstehen, warum Dinge geschehen und erkennen Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung.
  2. Handhabbarkeit (Manageability): Handhabbarkeit beschreibt die Überzeugung, dass eine Person die Ressourcen und Fähigkeiten besitzt, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Personen mit einem starken Sense of Coherence fühlen sich befähigt, Probleme zu bewältigen und Strategien zur Stressbewältigung anzuwenden.
  3. Sinnhaftigkeit (Meaningfulness): Diese beschreibt, inwieweit eine Person das Leben als sinnvoll, lohnend und wertvoll empfindet. Ein starkes Gefühl der Sinnhaftigkeit stärkt Motivation, Durchhaltevermögen und Resilienz – selbst in schwierigen Zeiten.

NLP Ausbildungen zielen auf eine Stärkung des Sense of Coherence

NLP Ausbildungen vermitteln viele praktische Formate, die den Einzelnen darin unterstützen, Veränderungen in seinem Denken, Fühlen und Verhalten zu erreichen. Hier sind einige Ansätze, wie NLP dazu beitragen kann, deinen Sense of Coherence zu stärken:

  1. Ressourcenorientierte Strategien: NLP bietet eine Vielzahl von Techniken und Strategien, um individuelle Ressourcen zu identifizieren, zu aktivieren und zu stärken. Indem Menschen ihre Stärken und Fähigkeiten erkennen und nutzen, können sie ein Gefühl der Handhabbarkeit und Selbstwirksamkeit entwickeln.
  2. Perspektivenwechsel: NLP hilft, alternative Perspektiven und Denkweisen zu erkunden. Dies kann dazu beitragen, dass Menschen die Handlungen ihres Gegenübers besser verstehen und einschätzen können, indem sie neue Wege finden, um ihre Erfahrungen zu interpretieren, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen.
  3. Sprachmuster und Kommunikation: NLP bietet Werkzeuge zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation und Selbstkommunikation. Durch die Verwendung von positiven Sprachmustern können Menschen ihre Sinnhaftigkeit stärken, indem sie ihre Ziele und Werte klarer definieren und ausdrücken.
  4. Selbstreflexion und Zielsetzung: NLP fördert Selbstreflexion und die Klärung von Zielen und Werten. Indem Menschen sich bewusst werden, was ihnen wichtig ist und was sie erreichen möchten, können sie ein tieferes Gefühl der Sinnhaftigkeit entwickeln und ihre Handlungen darauf ausrichten.

Durch die Entwicklung eines starken Sense of Coherence werden Menschen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Lebens und erfahren ein tieferes Gefühl von Gesundheit und Wohlbefinden.

Deswegen: WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen, um zukünftig schwarz auf weiß dokumentieren zu können, dass unsere Ausbildungen die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Teilnehmer fördern. Jeder Einzelne erlebt das ohnehin auch jetzt schon nach jedem einzelnen Ausbildungswochenende.

Der SOC-9: Bewährtes Instrument der Messung des Sense of Coherence

Der Sense of Coherence Scale (SOC-9) ist ein validiertes Instrument zur Messung des Sense of Coherence (SOC). Es besteht aus 9 Punkten, die die drei Dimensionen des SOC – Verständlichkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit – erfassen. Die Skala wird häufig in der Gesundheitsforschung und in der psychologischen Forschung verwendet, um den Zusammenhang zwischen dem SOC und verschiedenen Gesundheits- und Wohlbefindensindikatoren zu untersuchen.

Die einzelnen Schritte der Überprüfung mittels SOC-9

Um die Wirksamkeit einer NLP Ausbildung wissenschaftlich zu überprüfen und den SOC zu messen, werden von der IN folgende Schritte unternommen werden:

  1. Auswahl der Stichprobe: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer von der IN zertifizierten NLP Ausbildung (NLP Practitioner, NLP Master, NLP Trainer, NLP Coach) sind eingeladen, vor Beginn der Ausbildung den SOC-9-Fragebogen ausfüllen. So erhalten sie ihren Ausgangswert des Sense of Coherence.
  2. Durchführung der NLP Ausbildung: Im Rahmen der NLP Ausbildung wird mindestens das von der IN für die jeweilige Ausbildungsstufe vorgesehene Curriculum vermittelt (die Inhalte der WildWechsel-Ausbildungen gehen regelmäßig weit über die Curricula der IN hinaus).
  3. Post-Training-Messung des SOC: Nach Abschluss der NLP Ausbildung füllen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den SOC-9-Fragebogen erneut aus, um ihren Sense of Coherence nach der Ausbildung zu erhalten.
  4. Vergleich der Ergebnisse: Durch den Vergleich der  SOC-Werte vor und nach der NLP Ausbildung können die Teilnehmer feststellen, wie sich ihr Sense of Coherence verändert hat. Eine Zunahme des SOC deutet darauf hin, dass die NLP-Techniken dazu beitragen, den SOC zu stärken. Die Teilnehmer erhalten indvidualisierte Auswertungen, die Institute lediglich aggregierte.
  5. Statistische Analyse: Auf der aggregierten Ebene analysiert die IN, inwieweit die beobachteten Veränderungen im SOC nach der NLP Ausbildung signifikant sind.
  6. Interpretation der Ergebnisse: Nach Abschluss der Analyse kann die IN Schlussfolgerungen darüber ziehen, inwieweit die NLP-Ausbildung den Sense of Coherence der Teilnehmenden stärken. Daraus kann sie Rückschlüsse für die kontinuierliche Verbesserung von Lehre und Praxis ziehen.

Vorteile durch die Teilnahme am SOC-9 für die Teilnehmenden einer NLP-Ausbildung

Die Teilnehmer haben durch die Teilnahme am Sense of Coherence Scale (SOC-9) eine Reihe von Vorteilen:

  1. Selbstreflexion und Bewusstsein: Die Teilnehmer können ihre eigene Wahrnehmung von Verständlichkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit in ihrem Leben reflektieren. Dies fördert ein tieferes Bewusstsein für ihre persönlichen Stärken und Herausforderungen. Sie erhalten ihre Auswertung innerhalb weniger Minuten nach dem Ausfüllen des Tests. Dadurch erhalten sie eine wertvolle Grundlage, um eigene Schwerpunkte in ihrer NLP-Ausbildung zu setzen.
  2. Messbare Ergebnisse: Die Teilnahme am SOC-9 ermöglicht es den Teilnehmern, ihren Sense of Coherence quantitativ zu erfassen. Dies bietet eine objektive Möglichkeit, Veränderungen im Verlauf der eigenen NLP-Ausbildung zu verfolgen und zu bewerten.
  3. Evaluierung des Fortschritts: Die Teilnehmer können ihren SOC-9-Wert vor und nach der NLP-Ausbildung vergleichen, um festzustellen, inwieweit sich ihr Sense of Coherence im Laufe des Trainings verbessert hat. Dies ermöglicht es den Teilnehmern, ihre persönliche Entwicklung und ihren Fortschritt im Umgang mit Stress und Herausforderungen zu bewerten.
  4. Identifizierung von Entwicklungsbereichen: Die Ergebnisse des SOC-9 können den Teilnehmern dabei helfen, Bereiche zu identifizieren, in denen sie möglicherweise noch Potenzial haben, um ein starkes Gefühl von Verständlichkeit, Handhabbarkeit oder Sinnhaftigkeit zu entwickeln. Dies ermöglicht es ihnen, gezielt an diesen Bereichen zu arbeiten und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
  5. Anpassung der NLP-Techniken: Basierend auf den Ergebnissen des SOC-9 können NLP-Trainer die Inhalte und Techniken der Ausbildung anpassen, um die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungsbereiche der Teilnehmer besser zu adressieren. Dies trägt dazu bei, dass die NLP Ausbildung noch effektiver wird und die Teilnehmenden noch bessere Ergebnisse erzielen.
  6. Förderung von Resilienz und Wohlbefinden: Indem die Teilnehmenden ihren Sense of Coherence stärken, werden sie widerstandsfähiger gegenüber stressigen Situationen. So erfahren sie ein tieferes Gefühl von Wohlbefinden und Zufriedenheit in ihrem Leben.

Insgesamt bietet die Teilnahme am SOC-9 den Teilnehmern einer NLP-Ausbildung eine wertvolle Gelegenheit zur Selbstreflexion. Sie können ihre Fortschritte bewerten und Entwicklungsbereiche identifizieren. So bietet die NLP-Ausbildung einen noch größeren Nutzen für die persönliche Entwicklung und das Wohlbefinden jedes Einzelnen.

Die WildWechsel-NLP-Ausbildungen, die an der wissenschaftlichen Überprüfung teilnehmen

WildWechsel beteiligt sich an der wissenschaftlichen Überprüfung seiner NLP Ausbildungen und freut sich, den Teilnehmenden seiner Ausbildung dieses Angebot machen zu können.

Hier findest du weitere Infos zu den einzelnen NLP-Ausbildungen von WildWechsel:

Mehr Informationen zur IN findest du hier:

International Association of NLP Institutes

Wie wichtig ist dir, dass NLP wissenschaftlich belegt ist? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Herzlichst

Susanne (Lapp)

NLP ist im 21. Jahrhundert wissenschaftlich gut fundiert – Offener Brief an Prof. Kanning

Immer wieder wird NLP in den Medien als wissenschaftlich nicht fundiert dargestellt. 
Dies kann jedoch nur behaupten, wer die einschlägige, insbesondere neurowissenschaftliche, Forschung der vergangenen 40 Jahre nicht zur Kenntnis genommen hat. Deswegen habe ich einen neuerlichen Vorwurf in der Zeitschrift Impulse vom Juni 2021 zum Anlass genommen, einige Beispiele für die wissenschaftlichen Fundierungen des NLP in einem kurzen Überblick zusammenzustellen.



Diesen Offenen Brief an Prof. Kanning teile ich im heutigen Blogartikel mit dir. Vielleicht hilft dir ja das ein oder andere Argument für Diskussionen im beruflichen oder privaten Umfeld.

 

Sehr geehrter Herr Professor Kanning,

in diesem offenen Brief beziehe ich mich auf Ihre Aussagen in der Zeitschrift Impulse vom Juni 2021.

Dort werden Sie mit der Aussage zitiert „NLP ist extrem verbreitet“. Das stimmt. Jedes Jahr absolvieren mehrere Tausende Menschen in Deutschland NLP-Ausbildungen. Noch viel mehr kaufen entsprechende Bücher, hören einschlägige Podcasts oder schauen sich auf YouTube Videos mit einschlägigen Inhalten an. Man darf nur vermuten, dass sie dies tun, weil sie die entsprechenden Inhalte als hilfreich erleben.

Strebt ein Coach die Aufnahme in die Coaching Pools von Dax- und MDax-Unternehmen an, sehen viele Personalabteilungen eine NLP-Ausbildung sehr gerne.

Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Gerücht, NLP sei nicht wissenschaftlich fundiert. So werden Sie in dem erwähnten Artikel mit der Aussage zitiert, dass grundlegende Konzepte des NLP schon in den 80er Jahren teils widerlegt worden seien.

Zum Glück hat sich in den vergangenen 40 Jahren viel getan und viele Aspekte des NLP sind in der Zwischenzeit längst wissenschaftlich fundiert. Eine kleine Auswahl der Erkenntnisse möchte ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten:

1. Zur wissenschaftlichen Fundierung des Spiegelns

Im NLP spielt das so genannte Spiegeln, also das Übernehmen des körpersprachlichen Ausdrucks meines Gegenübers,eine große Rolle beim Aufbau von Rapport. Als Bandler und Grinder das Spiegeln (Pacing auf Englisch) in den 70er Jahren erstmals beschrieben, war wissenschaftlich nicht zu begründen, wieso es zu so guten Ergebnissen führt, wie es NLP-Anwender überall auf der Welt immer wieder erleben.

Dies änderte sich auch nicht in den von Ihnen angesprochenen 80er Jahren.

Im Jahr 1992 jedoch beschrieb der Italiener Giacomo Rizzolati mit seinen Mitarbeitern erstmals das Phänomen so genannter Spiegelneuronen. Wikipedia schreibt dazu: „Dabei handelt es sich um Nervenzellen, die im Gehirn von Primaten beim „Betrachten“ eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster zeigen wie bei dessen eigener Ausführung.“

Seit 2010 sind diese Spiegelneuronen auch bei Menschen nachgewiesen. Auch wenn ihre Funktion noch nicht abschließend geklärt ist, geht man allgemein davon aus, dass sie für Imitation und Empathie eine große Rolle spielen. So schreibt es zum Beispiel die Grande Dame der deutschen Trauma-Therapie, Luise Reddemann, zusammen mit ihrer Co-Autorin in ihrem Buch „Gefühle besser verstehen“ von 2019.

Genauso, wie es beim Spiegeln im NLP seit den 70er Jahren beschrieben und gelehrt wird.

2. Die Hebbsche Regel und ihre Bedeutung für das Konzept des Ankerns im NLP: NLP ist wissenschaftlich gut fundiert

Anker nutzen wir im NLP, um Ressourcen „auf Knopfdruck zugänglich zu machen“. Durch einen Stimulus, also zum Beispiel die Berührung des Zeigefingerknöchels der linken Hand, wird ein Response, zum Beispiel ein Absinken des Muskeltonus und damit das Erleben einer Entspannung, ausgelöst. Entsprechende Beobachtungen von (zunächst unfreiwilligen) Stimulus-Response-Kopplungen beschrieben Bandler und Grinder ebenfalls bereits in den 70er Jahren und leiteten in ihren Arbeiten dann daraus ein Konzept ab, um diese Kopplungen bewusst zu implementieren und für den gezielten Ressourcenzugang nutzbar zu machen.

Ob sie die Arbeit des Psychologen Donald Olding Hebb und seine bereits 1949 in seinem Buch „The Organisation of Behavior“ formulierte Lernregel kannten, weiß ich nicht, aber Ihnen möchte ich sie nicht vorenthalten (ebenfalls zitiert nach Wikipedia): „Wenn ein Axon der Zelle A Zelle B erregt und wiederholt und dauerhaft zur Erzeugung von Aktionspotenzial in Zelle B beiträgt, so resultiert dies in Wachstumsprozessen oder metabolischen Veränderungen in einer oder in beiden Zellen, die bewirken, dass die Effizienz von Zelle A in Bezug auf die Erregung eines Aktionspotenzials in B größer wird. .. Je häufiger ein Neuron A gleichzeitig mit Neuron B aktiv ist, umso bevorzugter werden die beiden Neuronen aufeinander reagieren („what fires together, wires together“). Dies hat Hebb anhand von Veränderungen der synaptischen Übertragung zwischen Neuronen nachgewiesen.

„Als endgültige Bestätigung von Hebbs Thesen gelten die Experimente von Terje Lomo und anderen in den 1960er und 1970er Jahren und der direkte Nachweis der Veränderung von Signalübertragung als Teil des Mechanismus für Lernprozesse und Gedächtnis im Jahr 2014“. (ebenfalls Zitat Wikipedia). Genau diesen Mechanismus machen sich NLPler beim Setzen von Ankern zunutze.

3. Weitere neuro-wissenschaftliche Fundierungen von NLP-Techniken: NLP ist wissenschaftlich gut fundiert 

Weitere neuro-wissenschaftliche Fundierungen von NLP-Techniken sind gut zusammengefasst in dem Buch von Franz Hütter und Sandra Mareike Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017 Bonn. Einige Beispiele aus dem Inhalt seien an dieser Stelle erwähnt:

  • Wieso die Definition von Zielen hilfreich ist
  • Wieso der Aufbau von Rapport so gut funktioniert (er führt zur Ausschüttung des Wohlfühl- und Bindungshormons Oxytocin)
  • Wieso die Arbeit mit Werten so wichtig ist
  • Was beim Reframing im Gehirn funktioniert
  • Wie es bei der Teilearbeit zu einem Dialog neuronaler Netzwerke kommt

Etc. etc.

Dieses Buch kann ich Ihnen und jedem, der sein Wissen über die neurodidaktischen Grundlagen des NLP in das 21. Jahrhundert katapultieren möchte, nur ans Herz legen.

Des Weiteren werden Sie mit der Aussage zitiert, dass Sie um jeden (! – Ausrufezeichen ist meine Ergänzung) mit einer NLP-Ausbildung einen Bogen machen würden.

Ich erwarte, dass Sie von solchen Aussagen angesichts der breiten wissenschaftlichen Fundierung des NLP zukünftig Abstand nehmen.

Hochachtungsvoll

gez. Dr. Susanne Lapp
Vorstand Presse & Öffentlichkeitsarbeit

DVNLP

Dieser offene Brief wurde am 13. August 2021 auf der Website des DVNLP veröffentlicht.

Du interessierst dich für eine NLP-Ausbildung? Hier erfährst du mehr.