Selbstbewertung

Selbstbewertung

Um zu wissen, was für eine Person wir sind, bzw. wie gut oder schlecht wir bezüglich einer Tätigkeit sind nutzen wir Vergleiche. Die Vergleichsmaßstäbe können rational oder irrational sein, aber da wir sie selbst ausgesucht haben erscheinen sie uns rational. Für den Fall, dass diese Maßstäbe uns von außen aufgezwungen wurden, können wir uns entweder mit diesen Autoritäten nachträglich identifizieren oder dagegen rebellieren, aber damit verliert der Maßstab nicht automatisch seine Gültigkeit für uns.

Einer der ersten Sozialpsychologen, der diese Art von Vergleichen empirisch untersucht hat, war Leon Festinger.

Diese Maßstäbe haben Einfluss auf unser Lernverhalten und den Grad unser Selbstakzeptanz. Dies gilt für jeden Trainer sowie für seine Schüler. Es ist daher wichtig, dass der Trainer ein gutes Beispiel für sinnvolle Formen der Selbstbewertung darstellt und seine Schüler dabei unterstützt selbst sinnvolle Maßstäbe für sich selbst zu entwickeln.

Selbstbewertung führt fast immer zu einer Art Ranking: „Ich bin besser/schlechter als X.“ Da man fast immer jemanden finden kann, der bezüglich der in Frage stehenden Eigenschaft/Fähigkeit besser ist, führt diese Art von Vergleich sehr leicht zu Selbstabwertung. Sucht man sich aber einen objektiven Standard den man erreichen kann, dann besteht die große Chance, dass man mit sich selbst zufrieden ist, wenn man diesen erreicht hat.

Jeder Vergleich hat sowohl kognitive als auch emotionale Konsequenzen. Wenn man sich z.B. mit jemandem vergleicht, der besser Tennis spielt als man selbst, dann ermöglicht dies Einsichten darin, was der andere besser macht, um besser zu sein. Wir können davon lernen und versuchen ihn zu modellieren. Wie wir uns dabei fühlen hängt von vielen Variablen ab.

Vergleichen wir uns mit jemandem, der schlechter ist als wir selbst können wir davon wenig lernen, fühlen uns aber vielleicht gut dabei.

Abraham Tesser, ein amerikanischer Psychologe entwickelte sein self-evaluation maintenance model um die Motive für self-enhancement zu erforschen. Dabei interessierten ihn Fragen wie:

  • Wie geht es dir, wenn ein Freund bei etwas, was dir selbst wichtig ist, besser ist als du?
  • Wie geht es dir, wenn ein Freund bei etwas, was dir selbst nicht wichtig ist, besser ist als du?
  • Wie geht es dir, wenn ein Fremder bei etwas, was dir selbst wichtig ist, besser ist als du?
  • Wie geht es dir, wenn ein Fremder bei etwas, was dir selbst nicht wichtig ist, besser ist als du?

Diese Fragen stellen sich im Rahmen von Lerngruppen, wie z.B. eine NLP-Ausbildung, bewusst oder unbewusst fast automatisch.

Seine Beobachtungen zeigten, dass es für uns umso schwieriger ist uns für einen anderen zu freuen, wenn er etwas besser macht als wir, wenn wir zu dieser Person eine enge persönliche Bindung haben und diese Tätigkeit für uns selbst sehr wichtig ist.

Er fragte sich auch wie das Verhältnis von Self-Enhancers vs. Self-Verficaters ist. Self-Enhancers sind Menschen, denen es wichtig ist, dass sie positives Feedback bekommen, selbst wenn es nicht wahr ist. Self-Verficaters sind Menschen, die es vorziehen, dass sie Feedback bekommen, welches ihr schon vorhandenes Selbstbild bestätigt.

Diese Forschungen wurden von B. Swann u.a. weitergeführt. Sie baten ihre Probanden:

  • Fünf Qualitäten aufzulisten und diesen einen Wert zuzuordnen, der angeben sollte, wie hoch diese Qualität bei ihnen ausgeprägt ist.
  • Sie sollten auch angeben, wie sehr sie es genießen würden Feedback bezüglich der Qualität zu bekommen, die sie selbst am höchsten bzw. am geringsten bewertet haben.

Es war wenig überraschend, dass die Teilnehmer lieber Feedback über ihre positivsten Eigenschaften bekamen. Wenn man sie aber Feedback zu beiden Extremen bekommen würden, wie gerne würden sie dann angenehmes bzw. unangenehmes Feedback zu den beiden Extremen hören. Doppelt so viele der Probanden wollten lieber angenehmes Feedback über ihre positiven Eigenschaften hören. Allerdings wollten die meisten lieber unangenehmes Feedback über ihre schlechteste Eigenschaft hören.

Sie argumentierten wie folgt: „Ich weiß ich bin nicht gut in X. Wenn ich kritisches Feedback diesbezüglich bekomme, dann hilft mir das mehr mich zu verbessern, als wenn ich dafür auch noch gelobt werde.“ D.h. ein positives Feedback wäre unglaubwürdig und würde dem Bedürfnis nach self-verification widersprechen. Dementsprechend erfüllt das positive Feedback bezüglich der Eigenschaften, die die Person selbst als besonders gut einschätzt, sowohl ihr Bedürfnis nach self-enhancement als auch ihr Bedürfnis nach self-verification.

In einer späteren Studie hat man die Probanden nach einem einschlägigen Test in zwei Gruppen eingeteilt, diejenigen mit hohem bzw. niedrigem Selbstbewusstsein, bzw. Selbstwert (selfesteam). Den Teilnehmern wurde dann von den Psychologen sowohl positives als auch negatives Feedback gegeben. Dann wurden die Teilnehmer gefragt für wie zutreffend sie die beiden Sorten von Feedback hielten.

Die Gruppe mit hohem Selbstbewusstsein bewertete das positive Feedback als dreimal so akkurat wir das negative. Die Gruppe mit geringem Selbstbewusstsein bewertete das positive Feedback als weniger akkurat wie das negative.

 

Danach wurden die Versuchsteilnehmer gefragt wie gut sie sich fühlten, nachdem sie das Feedback bekommen haben.

Die Gruppe mit hohem Selbstwert fühlte sich sehr gut. Hingegen fühlte sich die Gruppe mit niedrigem Selbstwert zwar in ihrer Selbsteinschätzung bestätigt, aber trotzdem schlecht.

Fassen wir diese Ergebnisse zusammen:

  • • Wenn wir die Wahl haben wollen wir lieber etwas über unsere guten Qualitäten hören und uns dabei gut fühlen.
    • Self-enhancement
    • Die Entscheidung wird durch affektive Ziele bestimmt
    • Wenn wir uns Feedback über negative Qualitäten anhören müssen, dann wollen wir hören, was wir selbst für wahr halten; aber wir fühlen uns trotzdem negativ, wenn die Wahrheit negativ ist.
    • Self-verification
    • Die Entscheidung wird durch informationale Ziele bestimmt
    • Trotzdem haben wir negative Emotionen

Die self-verification Theorie wurde durch Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz noch verfeinert. 

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